Postbranche Pin-Rettung vorerst gescheitert


Eine Insolvenz des Post-Konkurrenten Pin wird immer wahrscheinlicher: Pin-Chef Günter Thiel zog sein Übernahme-Angebot zurück und erklärte gleichzeitig seinen Rücktritt. Springer habe die Gespräche immer wieder torpediert, kritisierte Thiel.

Der Chef und Minderheitsgesellschafter des angeschlagenen Briefzustellers Pin, Günter Thiel, hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Gleichzeitig zog Thiel sein Angebot zurück, den vom Springer-Verlag gehaltenen Anteil von 63,7 Prozent an Pin zu übernehmen und die Firma fortzuführen, wie eine Sprecherin des in Luxemburg ansässigen Unternehmens sagte. Ein Grund sei das «kommunikative Verhalten» des Springer-Verlags während der Verhandlungen.

«Die Kommunikation des Hauses Springer während der Verhandlungsphase entbehrte jeder geschäftsüblichen Praxis und diente aus meiner Sicht alleine dem Zweck, die Verhandlungen zu torpedieren», heißt es nach Informationen des «Spiegels» in einem Schreiben Thiels an Springer-Chef Matthias Döpfner. «Darüber hinaus gipfelt sie seit gestern in den Medien in verleumderischen Aussagen und tendenziöser Berichterstattung gegen meine Person.»

Thiel hatte Springer für die Anteile an Pin den symbolischen Preis von einem Euro angeboten. Ebenso bittere Worte richtete Thiel nach Informationen des Nachrichtenmagazins auch an den Verwaltungsratschef der Pin Gruppe, Bodo Hombach. Er trete auf Grund der «gestörten Vertrauenslage mit dem Mehrheitsaktionär und insbesondere auf Grund der Ereignisse der letzten Tage» zurück, heißt es. «Ich bedauere sehr, dass der Mehrheitsaktionär nicht an die Zukunft des Unternehmens glaubt», schrieb Thiel weiter. Er bedauere persönlich den Verlust der Arbeitsplätze von mehr als 11.000 Mitarbeitern, sofern sich der Mehrheitsaktionär nicht sehr kurzfristig gegenüber der Gesellschaft klar bekenne.

Springer investierte 600 Millionen

Damit wird eine Insolvenz der Pin-Gruppe wahrscheinlicher. Springer hatte vergangenen Freitag angekündigt, dem Unternehmen kein Geld mehr zuschießen zu wollen. Die Entscheidung fiel unmittelbar nach dem Beschluss des Bundestages, einen Mindestlohn für Briefdienstleister einzuführen. Der offensichtlich gescheiterte Ausflug in das Briefgeschäft wird Springer rund 600 Millionen Euro kosten. Die «Financial Times Deutschland» berichtete von den Verhandlungen, Springer habe für Pin-Bankschulden in Höhe von gut 60 Millionen Euro geradestehen sollen. Döpfner habe diese Forderung als Provokation betrachtet und zurückgewiesen.

Thiel hält über seine Beteiligungsfirma Rosalia zehn Prozent an PIN. Kleinere Anteilen halten mehrere große Zeitungsverlage wie WAZ, Holtzbrinck (»Die Zeit», «Handelsblatt»), Madsack (»Hannoversche Allgemeine Zeitung») und DuMont Schauberg (Frankfurter Rundschau», «Kölner Stadt-Anzeiger»). Thiel warf nach Informationen des «Focus» dem Springer-Verlag (»Bild», «Welt») vor, unerfüllbare Forderungen gestellt zu haben. Laut Thiel sei dabei der Eindruck entstanden, Springer wolle die Pin-Anteile gar nicht an ihn veräußern.

Thiel habe in den Gesprächen der Springer-Führung angeboten, rund 200 Millionen Euro Schulden zu übernehmen sowie etwa 60 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen zu investieren. Daneben habe er dem Verlag eine Gewinnbeteiligung offeriert. Medienberichten zu folge war der Knackpunkt der Verhandlungen bis zum Schluss die Höhe eines sogenannten Besserungsscheins, bei dem Springer nach einer Sanierung oder bei einem späteren Verkauf der Pin-Gruppe noch Geld bekommen würde.

AP AP

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