Postdienste Pin-Group soll komplett verkauft werden


9000 Pin-Mitarbeiter können aufatmen: Der angeschlagene Briefdienstleister Pin hat die im Dezember wegen des Mindestlohns angekündigten Entlassungen gestoppt. Der Grund: Das Interesse möglicher Investoren ist größer als erwartet.

Der angeschlagene Postdienstleister Pin Group soll saniert und vollständig erhalten an einen Investor verkauft werden. "Wir haben nur solche Interessenten in die Liste aufgenommen, die die ganze Gruppe kaufen würden", sagte der neue Vorstandsvorsitzende Horst Piepenburg der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwoch). Die Priorität des Vorstandes sei eindeutig, die Gruppe als Gesamtheit anzubieten. Das Interesse an PIN sei sehr viel größer als erwartet. Es lägen Anfragen von strategischen und von Finanzinvestoren, inländischen wie ausländischen, vor. Wann die Investorengespräche begännen, stehe noch nicht fest. Priorität sei, die Pin-Gruppe als Gesamtheit anzubieten.

Unterdessen schloss Piepenburg weitere Insolvenzen unter den 91 Tochterfirmen nicht aus. Bislang wurden 17 solcher Anträge eingereicht. Entlassungen seien aber nicht geplant, betonte der Pin-Chef. Die noch vom alten Vorstand angekündigten Maßnahmen seien gestoppt worden. Dagegen will der Sanierungsexperte alle Chancen des Insolvenzrechts nutzen, um das Unternehmen wieder in ruhiges Fahrwasser zu lenken.

Alle Möglichkeiten werden geprüft

Dies könnte unter Umständen auch bedeuten, dass alle Gesellschaften und die Holding in ein Insolvenzverfahren geschickt werden. "Wenn es dazu kommt, streben wir die Insolvenz in Eigenverwaltung an", sagte Piepenburg.

Hierzu gehörten die Finanzierung der Löhne aus Insolvenzgeld und die Möglichkeit, bestehende Verträge schneller lösen zu können. Pin werde im ersten Quartal deutschlandweit Post austragen und gezielt im Mittelstand um neue Kunden werden. Seit Oktober vergangenen Jahres seien mehr als 500 neue Kunden gewonnen worden. Zudem stünden Aufträge in den Büchern, die über 80 Millionen Euro Jahresumsatz bringen könnten. Wie viele der 9.000 Arbeitsplätze bei PIN gerettet werden können, ließ Piepenburg offen.

100 Prozent Netto von der BA

"100 Prozent wären ein Ziel, allerdings ist das in der Krise sehr schwierig", sagte er. "Jedenfalls planen wir im Augenblick keinen Personalabbau." Der angekündigte Abbau von 900 Stellen sei gestoppt und nur zu einem kleinen Teil wirklich wirksam geworden. Im Fall einer Insolvenz zahle die Bundesagentur für Arbeit bis zu drei Monate lang Insolvenzgeld in voller Höhe des Nettolohns, ergänzte Piepenburg in der "Zeit". Das Geld komme unmittelbar den Mitarbeitern zu Gute. Missbrauch des Insolvenzrechts sei dies nicht. Es gehe um den Erhalt der Arbeitsplätze.

"Dabei nutzen wir alle Sanierungsinstrumente, die uns das Insolvenzrecht gibt", sagte er. Der neue Postmindestlohn für Briefträger von neun Euro im Osten und 9,80 Euro im Westen werde die Kosten des Konzerns 2008 um 35 bis 40 Millionen Euro in die Höhe treiben. "Wir erwarten, dass sich der größte Teil davon durch das Gesamtvolumen der Insolvenzgeld-Finanzierung auffangen lässt", sagte Piepenburg. Am Dienstag hatte das Unternehmen bekannt gegeben, dass weitere sieben Tochterunternehmen wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag gestellt haben. Damit sind 17 der 91 Gesellschaften mit insgesamt knapp 3.100 Mitarbeitern betroffen. Ihr Geschäftsbetrieb geht jedoch weiter.

Größter Post-Konkurrent

Die Pin Group war im Dezember 2007 in eine finanzielle Schieflage geraten, nachdem der Axel Springer Verlag als größter Anteilseigner dem Unternehmen den Geldhahn zugedreht hatte. Als Grund hierfür wurden die schlechten Aussichten wegen des zu hohen Mindestlohns für Postboten genannt. Die Pin Group gehört neben TNT zu den größten Konkurrenten der Deutschen Post AG.

AP/DPA AP DPA

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