Arcandor Insolvenzverwalter sieht gute Chancen für Sanierung


Nach dem Insolvenzantrag der Kaufhauskette Arcandor übt sich der vom Gericht bestellte Insolvenzverwalter in Optimismus. Er sehe gute Chancen für eine Sanierung des Konzerns, erklärt Klaus Hubert Görg. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg beschäftigt sich derweil mit der Schuldfrage - und zieht ein harsches Fazit.

Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sieht gute Chancen für eine Sanierung des Unternehmens. "Ich bin gewiss, dass es uns gelingen wird, für Arcandor und die Mitarbeiter auch in dieser schwierigen Situation vielversprechende Perspektiven für eine Sanierung zu eröffnen", erklärte Görg am Dienstag. Zuvor hatte ihn das Amtsgericht Essen zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Handels- und Touristikkonzerns bestimmt.

Arcandor hatte wegen drohender Zahlungsunfähigkeit die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Der Konzern wünscht sich ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Als Generalbevollmächtigten dafür benannte der Arcandor-Vorstand den Düsseldorfer Insolvenzexperten Horst Piepenburg. Ziel des Verfahrens sei es, mit einem Insolvenzplan die begonnene Sanierung des Unternehmens fortzusetzen. Dabei soll Arcandor nach dem Willen von Konzernchef Karl-Gerhard Eick als Ganzes erhalten bleiben. Dies sagte Eick am Dienstag vor der Zentrale in Essen. Mit Hilfe des Insolvenzrechts werde der Sanierungsplan zügiger umgesetzt werden. Der Insolvenzantrag sei unvermeidbar gewesen und konsequent. "Wir stecken auch jetzt nicht den Kopf in den Sand", sagte Eick. "Wir werden dafür kämpfen, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten."

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg attackierte unterdessen Management und Eigentümer des Konzerns. "Es ist bedrückend, wenn ein Unternehmen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gewirtschaftet wird. Es waren weder die Eigentümer noch die Gläubiger bereit, Risiken zu übernehmen." Diese Risiken habe man auch nicht dem Steuerzahler aufbürden können.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz macht hingegen auch die Koalitionspartner CDU und CSU mitverantwortlich für die Insolvenz. "Die SPD in der Regierung hat sich bis zuletzt gegen ideologische Schranken für eine Lösung eingesetzt", sagte Scholz dem "Tagesspiegel". Zugleich erhob auch der SPD-Politiker schwere Vorwürfe gegen Management und Eigentümer des Unternehmens. "Ein weiteres Mal müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür büßen, was das Missmanagement und die Profitsucht anderer ihnen eingebrockt haben", sagte Scholz.

Unberührt von dem Arcandor-Zusammenbruch sind den Angaben zufolge die Reisetochter Thomas Cook, die Primondo-Spezialversender mit ihren Tochtergesellschaften sowie der Homeshopping-Sender HSE24.

Die Bundesregierung hatte am Montag Staatbürgschaften und Notkredite für Arcandor abgelehnt, weil sie den Sanierungsbeitrag der Eigentümer für zu gering erachtete. Noch in der Nacht auf Dienstag hatte der Konzernvorstand deshalb versucht, seine Eigentümer, Banken und Vermieter zu deutlich höheren Sanierungsbeiträgen zu bewegen. Dies gelang jedoch nicht. Danach sah der Vorstand keine Chancen mehr, kurzfristig fällige Kredite über 710 Millionen Euro zu bedienen.

Kanzlerin Angela Merkel verteidigte auch nach der Insolvenz das Nein der Bundesregierung. "Uns waren die Zusagen der Eigentümer und der Gläubiger absolut nicht genug, sich für Arcandor zu engagieren. Wir haben auch auf die Steuergelder zu achten." Die Kanzlerin betonte, der Insolvenzantrag könne auch eine Möglichkeit sein, "das Unternehmen auf neue Füße zu stellen und ihm neue Perspektiven zu eröffnen".

Dagegen äußerte sich Arcandor-Großaktionär Sal. Oppenheim enttäuscht. "Wir standen fest hinter dem Sanierungskonzept des Vorstandes", erklärte Holdingsprecher Matthias Graf von Krockow in Köln. "Wir waren bereit, bis an die Grenzen des Machbaren zu gehen."

Für die Kunden von Karstadt, Quelle und Co. soll sich nach Arcandor-Angaben trotz der Insolvenz vorläufig nichts ändern. Bestellungen würden ausgeführt, Garantien seien gültig, Rückgaberecht und Anzahlungen hätten Bestand. Bei den Beschäftigten sorgte die Insolvenz jedoch für Entsetzen. Ein Arcandor-Betriebsrat berichtete: "Die Mitarbeiter sind am Boden zerstört und sitzen wie gelähmt an ihren Arbeitsplätzen."

Metro spekuliert nicht auf Schnäppchenpreise

Unterdessen hat der Metro-Konzern nach wie vor Interesse an einer Übernahme zahlreicher Karstadt-Fillialen signalisiert, ohne dabei nach dem Insolvenzantrag des Konkurrenten Arcandor auf Schnäppchenpreise zu spekulieren. Es solle einen "fairer Kaufpreis" für 60 Häuser gezahlt werden, unabhängig davon, ob Arcandor einen Insolvenzantrag gestellt habe oder nicht, sagte Metro-Chef Eckhard Cordes in einem Interview mit dem ZDF.

Er wolle aus der Kombination der Kaufhof- und Karstadt-Häuser einen "starken europäischen deutschen Kaufhauskonzern bauen", der aus ungefähr 160 Häusern bestehe. "Wir haben ein kurz- und mittelfristiges Ziel, dieses neue Ganze zu schaffen und ich glaube sogar, jetzt bin ich ganz tollkühn, dass es die Möglichkeit geben könnte, ein solches neues Unternehmen an die Börse zu bringen, an dem wir dann beteiligt bleiben können", sagte Cordes. Kartellrechtlich sehe er bei einem Zusammenschluss keine Probleme, es seien dazu auch bereits Vorgespräche geführt worden.

Ermittlungen gegen Arcandor-Chef Eick

Die Staatsanwaltschaft Essen hat unterdessen Ermittlungen gegen Arcandor-Chef Eick eingeleitet. Der Vorwurf laute Insolvenzverschleppung, sagte Oberstaatsanwältin Angelika Matthiesen am Dienstag. Grundlage sei die Strafanzeige eines Privatmannes. Dieser stütze seinen Vorwurf auf Zeitungsberichte.

Reuters/DPA/AP AP DPA Reuters

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