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Ehemaliger Topmanager bei Lanz: Er fühlte sich wichtiger als die Kanzlerin: Thomas Middelhoff gibt heute den Geläuterten

Bei "Markus Lanz" hat der ehemalige Topmanager Thomas Middelhoff über seine Reue nach der Haft gesprochen. Doch Lanz interessiert sich neben Middelhoffs Demut vor allem für die Opfer seiner Taten.

Thomas Middelhoff

Thomas Middelhoff bei "Markus Lanz"

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Er zeigt sich geläutert, hat sein neues Buch "Schuldig" genannt. Da gibt es wenig Interpretationsräume. Thomas Middelhoff betont bei "Markus Lanz" immer wieder, dass er mittlerweile eingesehen habe, selbst für seine Fehler und kriminellen Aktivitäten verantwortlich zu sein. Zur Erinnerung: Middelhoff gehörte einst zu Deutschlands erfolgreichsten Wirtschaftsmanagern, war Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG und von 2005 bis 2009 Vorstandsvorsitzender der Arcandor AG. Damals war er damit beauftragt, die Karstadt Quelle AG vor der Pleite zu retten - ohne Erfolg. In der Middelhoff-Ära verloren viele Karstadt-Mitarbeiter ihre Jobs. 

Thomas Middelhoff gibt sich bei "Markus Lanz" geläutert

2014 wurde der Düsseldorfer wegen schwerer Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach Absitzen seiner Strafe veröffentlichte der 66-Jährige erst die Biografie "A 115. Der Sturz", nun legt er mit "Schuldig. Vom Scheitern und Wiederaufstehen" nach. Sein neuestes Werk soll beschreiben, wie Middelhoff mit der Schuld lebt. Bei Lanz erklärte der mittlerweile in Privatinsolvenz lebende Ex-Manager, seine "Gier und Arroganz" habe damals überhandgenommen. 

Heute hätte er für Startup-Manager viele hilfreiche Tipps, wie sie ähnliche Fehler vermeiden könnten. Deshalb wird Middelhoff regelmäßig als Redner gebucht. Als Lanz dem Geläuterten allerdings ein altes Foto zeigte, kommt Middelhoff fast schon ins Schwärmen. Auf dem Bild zu sehen sind unter anderem er selbst sowie Amazon-Chef Jeff Bezos und Bill Gates. Die illustre Runde habe er damals genossen, gibt er heute zu. Während er Bezos einen "genialen Typ" nennt, sagt er über sich selbst: "Ich war nicht authentisch, ich hab die Rolle des Spitzenmanagers gespielt. Ich habe das geliebt, mich in diesem Umfeld zu bewegen. Das gab einem selbst das Gefühl von Aura und Macht."

Wichtiger als die Kanzlerin

Eine Anekdote vom Weltwirtschaftsforum in Davos sorgt auch bei Lanz für Verwunderung. Nach einem Abendessen habe man sich damals für einen Drink bei Hubert Burda getroffen, erzählt Middelhoff. Auch Kanzlerin Angela Merkel war anwesend. "Wir verlassen den Saal und alle gehen artig hinter der Kanzlerin, nur ich habe gedacht, ich habe die Führungsfunktion hier. Und habe mich also an die Spitze dieser Bewegung gesetzt", erinnert er sich. "Kurz bevor wir Hubert Burda erreichten, zupfte die Kanzlerin an meinem Ärmel, sagte: Halten Sie es eigentlich für richtig, dass sie vor dem Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gehen?" Er habe sich umgedreht, "das abgewogen und meinen Gang fortgesetzt", erzählt Middelhoff. "In der Situation war ich der Meinung, ich gehöre da hin wo ich bin, aber ich glaube, Frau Merkel fand das nicht gut."

Markus Lanz übt Kritik

Er habe sich als was Besseres gesehen, dazu steht Middelhoff heute. "Rückblickend war ich alles, nur kein demütiger Mensch", sagt er. Und während er in der Sendung immer wieder betont, seine Erfolge von damals mittlerweile mit anderen Augen zu sehen, kommt er mitunter salopp ins Plaudern. Wie er zum Beispiel in New York an der Bar des Luxushotels "Four Seasons" ausrechnete, nach einem Deal "den Maximum-Bonus" zu bekommen, sprich hundert Millionen. Das sei der Anfang seiner Maßlosigkeit gewesen. Wurde er im Flugzeug nicht in die erste, sondern in die zweite Reihe gesetzt, sei er so entsetzt gewesen, dass er am liebsten sofort den damaligen Chef der Lufthansa angerufen hätte, berichtet er. 

Bei der ganzen Reue und Selbstreflexion des ehemaligen Managers interessiert Markus Lanz aber etwas anderes: "Sie können sich heute hier vermarkten, die Verkäuferin bei Karstadt-Quelle hat diese Möglichkeit natürlich nicht. Die taucht auch im Buch nicht auf, warum nicht?", will der Moderator von seinem Gast wissen. Middelhoff antwortet ausweichend, sagt, er könne "die Einzelschicksale im Konzern Karstadt Quelle" nicht erfassen. Er könne sich nur entschuldigen. 

Ob diese seine Entschuldigung annehmen würden, sei dahingestellt.

Quelle: ZDF "Markus Lanz"

ls