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Fall Thomas Middelhoff: Scheidung aus Liebe?

Medien vermuten hinter der Scheidung von Ex-Manager Thomas Middelhoff finanzielles Kalkül. Doch es könnte auch ein ganz anderer Grund dahinter stecken: Hat er eine 20 Jahre jüngere Freundin?

Von Philipp Jessen

Thomas Middelhoff mit zerknautschtem Gesicht

Thomas Middelhoff im November 2014, nachdem das Landgericht in Essen seinen Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft abgelehnt hatte

Eine Scheidung kostet die Liebe – und oft viel Geld. Anwälte müssen bezahlt werden. Und der gemeinsam angehäufte Wohlstand wird geteilt. Bei Thomas Middelhoff läuft es aber genau andersherum. Das vermutet zumindest der "Focus". Das Münchner Magazin vermeldete, dass seine Frau Cornelie beim Amtsgericht Bielefeld die Scheidung eingereicht habe. So weit, so richtig. Als Grund für die Trennung vermutete man in München finanzielles Kalkül. Da Middelhoff und seine Frau in einer sogenannten Zugewinngemeinschaft leben, wäre im Fall einer Scheidung den Gläubigern der Zugriff auf ihren Teil des Vermögens verwehrt. So die Theorie. Ein Manöver, das man dem flamboyanten Ex-Manager durchaus zutrauen würde. In Hamburg und Middelhoffs Wohnort Bielefeld erzählt man sich allerdings eine andere Geschichte.

Eine andere Frau als Trennungsgrund für Thomas Middelhoff?

Eine Frau soll der Grund für die Trennung sein. Fast 20 Jahre jünger als Middelhoff. Im Medienbereich in Hamburg tätig. Die Zeitschrift "Bunte" zitierte vergangene Woche einen Nachbarn der Familie Middelhoff mit den Worten: "In Bielefeld weiß jeder, dass der Middelhoff schon Monate bevor er ins Gefängnis musste, in Hamburg gewohnt hat. Bei einer anderen Frau." Auch nach stern-Informationen wurde Middelhoff häufig in einem Haus in der Nähe eines beschaulichen Alsterlaufs gesehen, in dem die Journalistin wohnt. In der gutbürgerlichen Nachbarschaft spricht man deshalb augenzwinkernd von der "Middelhoff-Wohnung".

Derzeit sitzt der 63-Jährige allerdings in der JVA Bielefeld-Senne, als Freigänger. Ausflüge nach Hamburg sind natürlich nicht möglich. Tagsüber arbeitet er in einer Behindertenwerkstatt, für knapp 2000 Euro brutto im Monat. Am Abend geht es zurück ins Gefängnis.

Ex-Arcandorchef Thomas Middelhoff Ende Mai in Bielefeld

Ex-Arcandorchef Thomas Middelhoff Ende Mai auf dem Weg zu seiner Arbeitstelle - einer Sozialeinrichtung in Bielefeld

Cornelie Middelhoff soll von der Liaison erfahren haben und außer sich gewesen sein. Einige Zeit später reichte sie die Scheidung ein. Auch Middelhoffs Insolvenzverwalter Thorsten Fuest wiederspricht der "Focus"-Theorie. Zum stern sagt er: "Die unterstellten Beweggründe von Frau Middelhoff leuchten mir weder juristisch noch logisch ein. In Deutschland muss sich niemand scheiden lassen, um sein Vermögen vor dem Insolvenzverwalter des Ehegatten zu schützen. Die Vermögen der Ehegatten sind während einer Ehe in Zugewinngemeinschaft getrennt. In welchem Umfang der Zugewinnausgleichsanspruch im Insolvenzverfahren geltend gemacht werden kann, ermittele ich zurzeit."

Über die Ehe der Middelhoffs gab es schon immer diverse Gerüchte. Die 63-jährige Architektin stand trotzdem zu ihrem Mann. Auch die Verurteilungen wegen Untreue und Steuerhinterziehung konnten daran nichts ändern. Als Zeugin sagte sie vor dem Essener Landgericht tapfer für ihren Mann aus. Das Ehepaar führt einen Prozess gegen das Bankhaus Sal. Oppenheim. Und umgekehrt. Die Eheleute Middelhoff fordern eingefrorene Gelder in Millionenhöhe und Investments aus Immobilienfonds zurück. Die Bank klagt auf Rückzahlung von Krediten.

Es sieht so aus, als hätte Middelhoff nicht nur seine Millionen verzockt, sondern auch die Liebe seiner Frau. Theoretisch könnte er, wie Insolvenzverwalter Fuest sagt, wegen der Scheidung Zugewinnausgleich bei seiner Frau beanspruchen. Ob es etwas zu holen gäbe, ist die eine Frage. Und ob Middelhoff bereit wäre, solche Ansprüche zugunsten seiner Gläubiger gegen seine Frau durchzusetzen, die andere. Zwingen kann ihn niemand. Die Entscheidung liegt ganz allein bei ihm.