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INSOLVENZ: Babcock-Borsig offenbar schon länger pleite

Der insolvente Oberhausener Anlagenbau-Konzern Babcock-Borsig war offenbar schon ein halbes Jahr vor dem offiziellen Insolvenzantrag im Juli zahlungsunfähig.

»Es spricht vieles dafür, dass die Lage bereits Anfang des Jahres 2002 kritisch wurde«, sagte Insolvenzverwalter Helmut Schmitz am Dienstag nach der ersten Gläubigerversammlung. Ob der Straftatbestand der Insolvenzverschleppung bestehe, werde weiter geprüft. Man tausche sich mit der ermittelnden Düsseldorfer Staatsanwaltschaft aus.

Schon Ende 2001 Kenntnis davon

Der damalige Babcock-Vorstand habe schon Ende 2001 festgestellt, dass das Unternehmen seine Rechnungen nicht pünktlich bezahlen könne, erklärte Babcock-Chef Horst Piepenburg. Daraufhin seien die Auszahlungstermine im Zuge einer »revolvierenden Finanzoptimierung« immer weiter verschoben worden. »Da hat man eine Flutwelle vor sich her geschoben«, sagte Piepenburg. Die Untersuchungen, wie weit der Aufsichtsrat über die Finanzkrise informiert war, seien noch nicht abgeschlossen. Auch über eine mögliche Zivilklage gegen den ehemaligen Babcock-Chef Klaus Lederer könne noch nicht entschieden werden.

Quote liegt bei 10,8 Prozent

Rund 100 Gläubigervertreter machten auf einer Gläubigerversammlung in Oberhausen Forderungen in Höhe von knapp vier Milliarden Euro geltend. Insolvenzverwalter Schmitz bezifferte die rechnerische Überschuldung auf eine Milliarde Euro. Für die Gläubiger ergebe sich eine vorläufige Quote von 10,8 Prozent. »Ich hoffe, dass sie sich noch auf 25 Prozent erhöht«, sagte Schmitz. Das Verfahren dauere vermutlich bis Ende 2008. Die Aktionäre könnten »auf absehbare Zeit« nicht mit Leistungen rechnen.

Von den zunächst 21.000 gefährdeten Babcock-Arbeitsplätzen seien inzwischen über 17.000 gerettet, berichtete Piepenburg. An der Sicherung weiterer Arbeitsplätze werde noch gearbeitet.