HOME

Firmenpleiten: Deutschland ist Europameister bei Firmenpleiten

Im letzten Jahr sind über 37.000 Unternehmen Bankrott gegangen. Die Aussichten für 2003 sind nicht viel besser. Experten schätzen, dass es bis zu 42.000 Firmenpleiten geben könnte.

In Deutschland sind 2002 so viele Firmen Pleite gegangen wie in keinem anderen westeuropäischen Land. 37.700 Unternehmen brachen in der Bundesrepublik zusammen - so viel wie nie zuvor in der Nachkriegszeit. Die Aussichten für 2003 scheinen nicht viel besser: Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform schätzt, dass es bis zu 42.000 Firmenpleiten geben könnte. Insgesamt - also einschließlich zahlungsunfähiger Verbraucher - seien sogar 90.000 Insolvenzen zu befürchten.

Nicht nur bei der Gesamtzahl der Firmenpleiten war Deutschland 2002 der Spitzenreiter: "In der Championsleague der Megapleiten des letzten Jahres dominieren deutsche Unternehmen", sagte Creditreform-Geschäftsführer Helmut Rödl. In den westeuropäischen "Top-Ten" der großen Insolvenzen war Deutschland unter anderem mit Philipp Holzmann, Babcock Borsig, KirchMedia und Fairchild Dornier sieben Mal vertreten. Fatal sei, dass im Bewusstsein der Öffentlichkeit nur solche großen Pleiten präsent seien. "Die Großfirmen zelebrieren ihren Abgang, die kleinen Betriebe verschwinden still und heimlich."

FirmaBrancheLandUmsatz in Mio € (2002)
Philipp Holzmann Bau D6.400
Babcock BorsigMaschinenbau D5.113
Kirch MediaMedien D3.300
Gontard & MetallbankBankD1.700
Albert FisherGroßhandelGB1.164
PeguformAutomobilzuliefererD900
MetrologieITF824
KPNQ WestTelekommunikationNL810
MühlGroßhandel D700
Fairchild DornierFlugzeugindustrieD700

Keine Besserung in Sicht

In Westeuropa waren laut Creditreform 2002 insgesamt 1,6 Millionen Arbeitnehmer vom Konkurs ihres Arbeitgebers betroffen, das sei ein Plus von 14,3 Prozent. Allein in Deutschland verloren 590.000 Beschäftigte ihren Job. Der Anteil der insolvenzbedingten Arbeitslosigkeit lag damit bei 15 Prozent.

Besserung scheint nicht in Sicht: "Bei einem für das Gesamtjahr 2003 erwarteten Wirtschaftswachstum von einem bis 1,2 Prozent sind positive Veränderungen weder am Arbeitsmarkt noch in der Unternehmensstabilität zu erreichen", betonte Rödl. Eine erhoffte konjunkturelle Wende würde sich zudem erst mit einer deutlichen Zeitverzögerung bemerkbar machen. Die Regierung forderte der Fachmann auf, die Steuern für Kapital- und Personengesellschaften zu senken. Bei der Förderung neuer Unternehmen sollte zudem „nicht weiter auf Masse, sondern auf Klasse" geachtet werden.

Insgesamt 241.000 Insolvenzen in Westeuropa

Die Zahl der Gesamtinsolvenzen in Westeuropa ist im vergangenen Jahr laut Creditreform im dritten Jahr in Folge gestiegen und lag bei insgesamt 241.000. Beim Pleitenranking verzeichneten Spanien und Norwegen nach Deutschland die höchsten Zuwächse. Mit Griechenland, Irland und Luxemburg konnten nur noch drei von 17 Ländern 2002 einen Rückgang der Insolvenzen vorweisen, erklärte Rödl bei der Vorlage der aktuellen europäischen Pleitenstatistik.

Im Vergleich zu 2001 erhöhte sich die Zahl der Firmenpleiten in Westeuropa um gut 15.000. Waren 2001 noch etwa 135.800 Unternehmen zahlungsunfähig, so meldeten 2002 insgesamt 150.300 Firmen Insolvenz an, sagte Rödl. Dies entspreche einem Plus von 10,7 Prozent. Die höchsten Zuwächse bei Firmenzusammenbrüchen verzeichnete Finnland, dicht gefolgt von Spanien und der Schweiz.

Bau und Dienstleistung schwer betroffen

Ein Vergleich zwischen den Hauptwirtschaftsbereichen zeigt, dass vor allem die Branchen Bau und Dienstleistung von Unternehmenszusammenbrüchen betroffen waren. So stiegen nach Darstellung der Wirtschaftsauskunftei die Insolvenzen in der kleinbetrieblich geprägten Baubranche im vergangenen Jahr von 20,4 auf 21,4 Prozent. Im Dienstleistungssektor kletterten die Firmenpleiten von 37,8 auf 40,6 Prozent.