INSOLVENZ Schröder hält Babcock-Rettung noch für möglich


Trotz gescheiterter Verhandlungen mit den Banken sieht Bundeskanzler Gerhard Schröder weiterhin eine Chance für die Rettung des Maschinenbauers.

Nach dem Scheitern der Rettungsversuche für den zahlungsunfähigen Maschinenbauer Babcock Borsig soll nun in einem Insolvenzverfahren über die Zukunft des Unternehmens mit rund 22 000 Beschäftigten entschieden werden. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement hatte am Montag bekannt gegeben, dass die Gespräche mit den Banken erfolglos geblieben seien, daher müsse das Insolvenzverfahren weitergeführt werden. Unterdessen sieht Bundeskanzler Gerhard Schröder weiterhin Chancen für eine Rettung von Babcock.

Großteil der Arbeitsplätze erhalten

Der Kanzler sagte dem Deutschlandfunk, die Auftragslage des Unternehmens sei gut. Obwohl die erste Runde der Sanierungsbemühungen fehlgeschlagen sei, komme es jetzt darauf an, in dem Insolvenzverfahren alles zu tun, um einen Großteil der Arbeitsplätze zu erhalten. Es sei erforderlich, dass der Aufsichtsrat eine neue Führung berufe, sagte Schröder. Nach Informationen der »Westdeutschen Allgemeinen Zeitung« (Dienstagsausgabe) soll der Düsseldorfer Insolvenzanwalt Horst Piepenburg neuer Vorstandsvorsitzender bei Babcock Borsig werden. Die Abstimmungsprozesse mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Helmut Schmitz und mit dem Aufsichtsrat seien fast abgeschlossen, berichtete die Zeitung. Die Bestellung solle bereits am (heutigen) Dienstag erfolgen.

Pläne für Zerschlagung des Konzerns

Nach einem Bericht der Zeitung »Die Welt« (Dienstagsausgabe) gibt es bereits konkrete Pläne für die Zerschlagung des Konzerns. Gläubiger sprächen bereits seit drei Tagen mit dem französischen Kraftwerksbauer Alstom über den Erwerb von Teilen des Geschäftsbereichs. Verkaufsgespräche gebe es auch beim Anlagenbau. Außerdem solle die 25-Prozent-Beteiligung an der Kieler Werft HDW innerhalb der kommenden vier bis sechs Wochen ohne Zustimmung der Hauptversammlung verkauft werden. Nach Angaben von Clement hatten vier der sechs beteiligten Institute nicht genügend Vertrauen in die strategische Neuausrichtung und die Führungsstruktur von Babcock Borsig. Nun solle geprüft werden, wie die Geschäfte weitergeführt werden können. Mehr als 13 000 Beschäftigte des traditionsreichen Oberhausener Energietechnik-Konzerns arbeiten in Deutschland. Die Landesregierung strebe eine nach dem neuen Insolvenzrecht mögliche Sanierung durch Insolvenz in Eigenverwaltung an, sagte Clement.


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