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Preisrutsch: Diesel billiger als ein Euro

Die Wirtschaftskrise hat auch ihr Gutes - zumindest für Autofahrer: Tanken war lange nicht mehr so günstig wie jetzt. Durchschnittlich kostet ein Liter Diesel nur noch 1,06 Euro, an vielen Tankstellen rutschte der Preis sogar unter die Ein-Euro-Marke.

Der Dieselpreis ist in vielen Gegenden Deutschlands unter einen Euro gefallen. In Hamburg, Mainz, Kassel oder Nürnberg wurde die Schwelle sogar an Markentankstellen unterschritten. Mit 1,06 Euro pro Liter lag der Preis im Bundesdurchschnitt am Donnerstag nur noch 6 Cent darüber, wie Marktführer Aral mitteilte. Laut Aral war Diesel zuletzt im Juni 2005 so billig.

Der Preisverfall bei Diesel und Benzin läuft sei Monaten: Ein Liter Benzin oder Superbenzin kostete am Donnerstag durchschnittlich 1,10 Euro, an einigen Tankstellen durchbrach der Benzinpreis ebenfalls die Ein-Euro-Marke nach unten. Im Schnitt zahlen die Autofahrer rund 50 Cent je Liter weniger als während der Höchstpreise Anfang Juli, als der Liter noch 1,60 Euro kostete. Benzin war zuletzt im März 2003 so billig wie jetzt. Ein Autofahrer spart inzwischen rund 25 Euro pro Tankfüllung im Vergleich zu den Rekordpreisen aus dem Hochsommer.

Sollten sich die Preise auf diesem Niveau stabilisieren, müssten private Haushalte und Unternehmen nach Berechnungen des Hamburger Energie-Informationsdienstes EID jährlich rund 10 bis 15 Milliarden Euro weniger für Energie aufwenden. Denn auch die Preise für Heizöl, Gas und Strom sinken bereits jetzt oder könnten das in Zukunft tun. Das eingesparte Geld stünde für den Konsum, für Investitionen oder zum Sparen zur Verfügung.

Wirtschaftskrise drückt auf Ölverbrauch

Hauptursache der fallenden Preise ist der rapide Rückgang der Rohölpreise im Zuge der Weltwirtschaftskrise. So wird zum ersten Mal seit 25 Jahren die weltweite Öl-Nachfrage sinken. Wie die Internationale Energieagentur IEA in Paris berichtete, wird sich der Bedarf in diesem Jahr um 0,2 Prozent im Vergleich zu 2007 verringern. Das wäre der erste Rückgang seit 1983. Im Schnitt würden 2008 täglich 85,8 Millionen Barrel Rohöl verbraucht. Das sind 350.000 Barrel weniger als die IEA zuletzt vorhergesagt hatte. Im Jahr 2009 rechnet die IEA mit einem Verbrauchsanstieg auf 86,3 Millionen Barrel pro Tag.

Der Ölpreis zog am Donnerstag unterdessen auf mehr als 45 Dollar an: Zeitweise wurde ein Preissprung von fast zwei Dollar auf 45,50 Dollar pro Barrel beobachtet. Hintergrund ist ein Treffen der Ölexportländer der Opec kommende Woche. Viele Marktbeobachter rechnen mit einer Produktionskürzung um zwei Millionen Barrel pro Tag, um so höhere Preise zu erzwingen.

AP/DPA / AP / DPA