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PREISSPIRALE: Steuern, Euro und Gemüse verteuern alles

Höhere Steuern, drastisch gestiegene Preise für Obst und Gemüse und auch die Euro-Umstellung treiben die deutsche Inflationsrate im Januar nach oben.

Nach einer Jahresrate von 1,7 Prozent im Dezember prognostizieren Volkswirte für den ersten Monat mit dem neuen Euro-Bargeld einen Anstieg über zwei Prozent. Auch Bundesbankpräsident Ernst Welteke hatte wegen höherer Steuern und Nahrungsmittelpreise eine Inflationsrate von zwei Prozent nicht ausgeschlossen. Wie Welteke gehen die Volkswirte jedoch davon aus, dass der Preisauftrieb nur vorübergehend stärker ist.

Sonderstudie zur Euro-Einführung

Die Statistikämter aus sechs Bundesländern und das Statistische Bundesamt geben die Preisdaten diesmal wegen der Euro-Umstellung erst am 31. Januar bekannt. »Besonders für diesen Monat, wo alle auf die Preise schauen, sind noch sorgfältigere Kontrollen bei der Preisermittlung vorgesehen«, erklärte Günther Elbel vom Statistischen Bundesamt. Den Effekt der Steuererhöhungen auf den Preisanstieg zum Vormonat bezifferte das Bundesamt auf 0,4 Prozentpunkte. Die Auswirkungen der Euro-Einführung könnten dagegen erst in der eigens laufenden Sonderstudie Ende Februar genau quantifiziert werden.

Dienstleister erhöhten Preise

Ob und wie stark sich die Euro-Preisumstellung auf das gesamte Preisniveau niederschlägt, ist nur schwer abzuschätzen, denn die Gründe für eine Preiserhöhung sind aus Statistiken nicht abzulesen. Um dies zu beziffern, analysiert das Statistikamt Preisreihen von 35 Produkten des alltäglichen Bedarfs daraufhin, ob sich neue Euro-Schwellenpreisen ergeben. Die letzten Daten im Dezember hatten eurobedingte Erhöhungen von 0,5 Prozentpunkten der Jahresteuerungsrate ergeben. Nach Stichproben der Verbraucherzentralen nahmen vor allem Gaststätten und Dienstleister den Währungswechsel für Preiserhöhungen zum Anlass, während der Einzelhandel Preise nach früheren Erhöhungen überwiegend abrundete.

Kaum jemand erwartet drei Prozent

Mit einer Drei vor dem Komma bei der Jahresrate, die der Wirtschaftsweise Bert Rürup erwartet, rechnen allerdings nur wenige Volkswirte. Bernd Weidensteiner von der DZ Bank schätzt, im schlimmsten Fall könnten die Preise zum Vormonat um 2,0 Prozent auf eine Jahresrate von 3,2 Prozent steigen. Das wäre aber nur der Fall, wenn der Einzelhandel alle Schwellenpreise aufrunden und die Gaststätten im Schnitt um zehn Prozent erhöhen würden.

Löwenanteil liegt an Steuern

Die Euro-Preisanhebungen sind demnach nur zum geringeren Teil für die höhere Inflation verantwortlich. Der Löwenanteil entfällt auf die höheren Steuern für Tabakwaren, Versicherungen, Benzin und Strom. Hinzu kommen teilweise drastisch gestiegene Preise für Obst und Gemüse, die der Lebensmitteleinzelhandel mit dem strengen Winter in Südeuropa begründet.

Preise sollten wieder sinken

»Dieser ganze Cocktail treibt die Preise nach oben«, sagte Julian von Landesberger von der HypoVereinsbank. Der erwartete Anstieg über zwei Prozent im Januar wird aber ein Ausreißer sein. Landesberger erwartet, dass die Jahresteuerung bis zum Mai schrittweise auf 1,2 Prozent sinkt. Dafür wird schon der statistische Basiseffekt sorgen. Bergheim rechnet bis zur Jahresmitte mit einem Rückgang auf 1,0 Prozent. Da schon vor der Euro-Einführung Preise erhöht wurden, könnten sie in diesem Jahr stabiler bleiben als sonst. Bundesbank-Chef Welteke nannte für das Gesamtjahr eine durchschnittliche Rate von einem Prozent.

Spitzenreiter bei der Inflation

In der Euro-Zone wird Deutschland bei der Januar-Inflation nach Prognosen der HypoVereinsbank Spitzenreiter sein, die Inflationsrate soll hier von 2,0 Prozent im Dezember auf 2,5 Prozent klettern. Doch dies wird nichts an der Perspektive ändern, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen anders als bis vor Kurzem noch angenommen nicht mehr senkt. Dies haben nicht nur jüngste Äußerungen der obersten Notenbanker deutlich gemacht, sondern auch erste Wirtschaftsindikatoren, die eine Konjunkturerholung erwarten lassen.

Ilona Wissenbach