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Preisverfall: Bauern stoppen Milchlieferungen

Die Bauern haben ihre Ankündigung wahr gemacht und die Auslieferung von Milch an die Molkereien gestoppt. Jedoch beteiligten sich nicht alle Verbände an dem Boykott. In Sachsen setzen die Bauern weiter auf Verhandlungen.

Die Milchbauern in Deutschland haben mit ihrem angedrohten Lieferboykott begonnen. Damit protestieren sie gegen die aus ihrer Sicht zu niedrigen Milchpreise. Wie lange keine Milch mehr geliefert werde, sei noch unklar, sagte der Vorsitzende des Verbands der Milchbauern (VDM), Romuald Schaber. Engpässe im Handel seien in den kommenden Tagen aber nicht ausgeschlossen. "Wir sind entschlossen erst dann wieder zu liefern, wenn wir die Zusage erhalten, dass kostendeckende Preise bezahlt werden", sagte Schaber.

Der Verband fordert von den Molkereien einen Milchpreis von 40 Cent pro Liter, statt durchschnittlich 27 Cent. Den Bauern machen auch gestiegene Energie- und Futterpreise zu schaffen. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich mit den Milchbauern solidarisch erklärt. Die Forderung nach 40 Cent je Liter sei gerechtfertigt.

Schaber sprach von einer bundesweit "überwältigenden Beteiligung" an den Protesten, in einigen Regionen beteiligten sich rund 80 Prozent der Milchbauern. "Wir richten uns mal auf eine Woche bis zehn Tage ein", sagte der Verbandsvorsitzende. Da Deutschland der größte Milchproduzent in Europa sei, könnten Kunden schon bald vor leeren Regalen stehen, sagte Schaber.

In Rheinland-Pfalz seien in der Nacht einige Milchlastwagen wieder leer von den Höfen gefahren, sagte BDM-Landesvorsitzender Oliver Grommes. Die überflüssige Milch werde an Kälber verfüttert oder in die Gülle geschüttet.

In Sachsen jedoch setzen die Milchbauern weiter auf Verhandlungen mit den Molkereien und lehnen den Lieferstopp ab. "Lieferboykotts kommen für uns nicht infrage", sagte der Sprecher des Sächsischen Bauernverbandes, Manfred Böhm. Die Vernichtung der Milch, die mit hohem Aufwand hergestellt werde, sei der Bevölkerung aus ethisch-moralischen Gründen nicht zu vermitteln. "Wir schütten keine Milch aufs Feld oder in den Gully."

Der Streik hat nach Angaben des Milchindustrieverbands (MIV) kaum Auswirkungen auf die deutschen Molkereien. Die Lieferausfälle bewegten sich im einstelligen Prozentbereich, erklärte MIV-Sprecher Michael Brandl auf Anfrage in Berlin. Regional sei die Beteiligung an dem Milchstreik zudem sehr unterschiedlich. So gebe es kaum Lieferprobleme im Norden Deutschlands. Dagegen fehle einigen baden-württembergischen Molkereien nach ersten Informationen schätzungsweise fünf bis sechs Prozent der normalerweise angelieferten Milchmenge. "Die große Welle läuft unseres Erachtens nicht", sagte Brandl: "Es besteht keine Gefahr, dass Milchprodukte aus dem Kühlregal verschwinden könnten."

Die mächtigen Supermarktketten sind nach Ansicht des Bauernverbandes für die niedrigen Milchpreise verantwortlich. "Der Lebensmitteleinzelhandel hat die Molkereien an die Wand gedrückt und extreme Nachlässe erreicht", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, der Nachrichtenagentur dpa. "Insgesamt stehen der zersplitterten Angebotsstruktur von über 100.000 Milchbauern in Deutschland und über 100 Marktmolkereien im Grunde nur drei, vier ganz große Lebensmitteleinzelhändler gegenüber, die mit uns Katz und Maus spielen."

DPA / DPA