ProSiebenSat.1 Neuer Antrag, neue Prüfung


Nachdem sich der Springer-Verlag nun doch nicht vom Sender ProSieben trennen will, und das Bundeskartellamt die Prüfungsfrist zur Übernahme von ProSiebenSat.1 verlängert hat, ist "der Stand jetzt wieder wie vorher".

Der Übernahmepoker um die ProSiebenSat.1-Gruppe geht in die nächste Runde: Der Springer-Konzern zog am Montag sein Angebot an das Bundeskartellamt zurück, mit dem Verkauf von Pro Sieben die Übernahme der Medien-Gruppe ProSiebenSat.1 Media zu ermöglichen. Eine Kartellamtssprecherin bestätigte die Rücknahme des Angebotes und sagte: "Der Stand ist jetzt wieder wie vorher." Gleichzeitig habe der Konzern eine Fristverlängerung bis zum 27. Januar beantragt. Springer brauche nun, wo das Angebot vom Tisch sei, offenbar mehr Zeit. Von neuen Angeboten des Konzerns habe sie jedoch bisher nichts gehört, erklärte die Sprecherin. Die Wettbewerbsbehörde werde nun bis zum 27. Januar den Fall prüfen und ihre Entscheidung fällen.

Springer hatte dem Amt vergangene Woche angeboten, den Sender ProSieben zu verkaufen, um die kartellrechtliche Freigabe für den Kauf der ProSiebenSat.1 Media AG zu bekommen. Das Bundeskartellamt wollte den Kauf nur erlauben, wenn der Sender Pro Sieben vor der Übernahme verkauft werde. "Nach Prüfung dieses Vorschlags ist die Axel Springer AG zu der Auffassung gelangt, dass ein Verkauf des Senders ProSieben vor Vollzug der Übernahme rechtlich nicht in Betracht kommt", hieß es jetzt dazu. Die Forderung des Kartellamtes würde nach Ansicht Springers darauf hinaus laufen, "dass die Axel Springer AG einen Sender verkaufen müsste, bevor dieser ihr überhaupt gehört".

Trotz der Bedenken habe Springer der Behörde aber in den vergangenen Tagen "zahlreiche Transaktionsvarianten angeboten, die dazu geführt hätten, dass der Sender ProSieben vor Vollzug der Gesamttransaktion aus der ProSiebenSat.1 Media AG ausgeschieden wäre". Das Bundeskartellamt habe diese Varianten aber zurückgewiesen.

Nach Ansicht des Bundeskartellamtes würde selbst der Erwerb der ProSiebenSat.1 Media AG inklusive des Senders ProSieben für eine "juristische Sekunde" zu nicht hinnehmbaren Wettbewerbsbeschränkungen führen, berichtete Springer berichtete weiter. Das Unternehmen bedaure, "dass das Bundeskartellamt mit dieser Haltung den von ihm selbst aufgezeigten Weg zur Freigabe des Vorhabens aus formalen verfahrenstechnischen Gründen scheitern ließ". Die Behörde verpasse damit die Gelegenheit, das von ihr beklagte, angebliche "wettbewerbslose Duopol auf dem Fernsehwerbemarkt" zu beseitigen.

Noch am 11. Januar 2006 habe das Bundeskartellamt mitgeteilt, "durch das Herauslösen des Senders ProSieben aus dem Erwerbsobjekt (werde) das wettbewerbslose Duopol auf dem Fernsehwerbemarkt beseitigt", zitierte der Springer-Konzern. Das Unternehmen erwartet jetzt eine Untersagungsverfügung des Bundeskartellamts und will die ihm zur Verfügung stehenden Rechtsmittel und Optionen prüfen.

AP/DPA AP DPA

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