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Korruption in Russland: Putins oberster Korruptionsjäger verhaftet - mit 120 Millionen Dollar in bar

Gnadenlos sollte Oberst Dmitry Zakharchenko die Korruption in Russland bekämpfen. Doch er füllte sich die Taschen selbst: Bei seiner Verhaftung wurde Bargeld im Wert von 120 Millionen Dollar gefunden.

Die Ermittlungsbehörden zeigten Bilder der gefundenen Gelder.

Die Ermittlungsbehörden zeigten Bilder der gefundenen Gelder.

Großer Schlag im Kreml - eine der Spitzen der Verwaltung wurde wegen Korruption verhaftet. Das Pikante: Oberst Dmitry Zakharchenko ist selbst der oberste Korruptionsjäger in Russland. Er ist - oder genauer gesagt war - Chef der allmächtigen Abteilung für Sicherheit in der Ökonomie und den Kampf gegen die Korruption.

Stellung ausgenutzt

Offenbar hat Zakharchenko  seine Stellung dazu genutzt, Korruptionsbeschwerden gegen die Zahlung massiver Schmiergelder einzustellen, so lautet zumindest der Verdacht. In der Nachrichtenagentur Tass wird die Größenordnung von 500.000 Dollar für eine Gefälligkeit genannt. Nicht verwechseln darf man den korrupten Korruptionsjäger Dmitry Zakharchenko mit dem bekannten ost-ukrainischen Separatisten Alexander Zakharchenko,

Die Razzia gegen Dmitry Zakharchenko wird in Zusammenhang mit jüngsten Äußerungen Putins gesehen, den Kampf gegen die Korruption zu verstärken. Und den Bemühungen des Kremls, eine Generation jüngerer Wirtschaftsführer an sich zu binden. Offenbar schützt auch eine hohe Stellung inzwischen nicht immer vor Verhaftung.


Strukturwandel in Putins Umgebung

Angeklagt wird Zakharchenko in mehreren Punkten: von Bestechung, Missbrauch einer staatlichen Position bis hin zur Behinderung der Justiz. Der Großteil des Geldes wurde in einer Wohnung gefunden, die ihm gehörte. Bei einem ersten Gerichtstermin wies Dmitry Zakharchenko alle Anschuldigungen zurück. "Das Appartement kenne ich nicht. Ich habe da nie gelebt. Das ist nicht mein Geld. In dieser Wohnung lebt meine Schwester. Sie ist verheiratet. Ich verstehe die Anschuldigungen nicht", zitiert News Russia den Angeklagten.

Laut der Anklage wurden Werte von etwa 123 Millionen Dollar in verschiedenen Währungen beschlagnahmt. Eine Tasche mit Geld wurde schon in Zakharchenkos Büro sichergestellt. Wie die Schwester an das Geld gekommen sein soll, blieb Geheimnis des Angeklagten. In der Anhörung wurde festgelegt, dass er zunächst bis zum 09. November in Haft bleiben werde.

Nur die Spitze des Eisberges

Die Agentur Tass berichtet, dass die Verhaftung im Zuge einer Untersuchung wegen Unterschlagung möglich wurde. 26 Milliarden Rubel - etwa 450 Millionen Dollar - sollen von Konten der Nota-Bank verschwunden sein. Einer der Top-Manager der Bank soll nun bereit gewesen sein, Beweise gegen Zakharchenko zu sammeln. Der tappte dann wohl in die Falle, als er Schmiergeld annahm. Wegen Unregelmäßigkeiten hatte die Nota-Bank ihre Zulassung verloren.

Über die Höhe der Gelder gibt es verschiedene Angaben. Ein ungenannter Ermittler sagte der Tass, es sei gut möglich, dass noch mehr Geld gefunden würde: "Die endgültige Summe ist noch unbekannt. Die Polizei hat nur ein Versteck in seinem Haus gefunden. Wir wissen nicht, ob er nicht noch mehr Wohnungen besaß. Wir ermitteln in diese Richtung."

Besonders peinlich: Erst im Juli wurde ein anderes hochrangiges Mitglied des Komitees wegen Korruption verhaftet. 

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