Qualitätsprobleme Steiff holt Produktion aus China zurück


Rückzug aus Asien: Der Stofftierhersteller Steiff holt seine Produktion aus China wieder zurück. Dem Traditionsunternehmen machen Qualitätsprobleme und lange Lieferzeiten zu schaffen. Außerdem sind die Stoffschnitte zu kompliziert.

Vier Jahre nach der teilweisen Produktionsverlagerung nach China zieht sich der Kuscheltierhersteller Steiff aus Asien zurück. "Für Premiumprodukte ist China einfach nicht kalkulierbar", sagte Steiff-Geschäftsführer Martin Frechen den "Stuttgarter Nachrichten". Das Traditionsunternehmen aus dem schwäbischen Giengen an der Brenz begründet seinen Schritt auch mit langen Lieferzeiten.

Vor allem für Kuscheltiere mit komplizierten Schnitten ist laut Steiff die Vergabe an chinesische Fremdfirmen nicht geeignet. So brauche man ein halbes Jahr Einarbeitungszeit, um Qualität zu produzieren, sagte Frechen. "Da können die Leute schon wieder weg sein, weil eine Autofabrik nebenan ein wenig mehr zahlt." Der Geschäftsführer nannte als Grund auch die hohen Ansprüche. "Wir haben sehr detaillierte Vorgaben gemacht und die Produktion mit Materialproben geprüft." Sitzt etwa ein Glasauge eines Teddybären nur einen Millimeter schief, schaut das Kuscheltier nicht mehr treuherzig, sondern starrt vor sich hin.

Alle Produkte zertifiziert

Qualitätsprobleme bei den Stofftieren gab es laut Steiff allerdings nie. "Alle Produkte werden zertifiziert. Das garantiert, dass beste Qualität geliefert wird", sagte Sprecherin Katrin Wachsmuth. Ein Faktor, die Produktion in China einzustellen, waren nach ihren Worten auch die Probleme mit Rückrufaktionen chinesischer Hersteller, auch wenn das deutsche Unternehmen nie davon betroffen gewesen war. "Steiff ist ein Unternehmen, das für Kinder das Beste macht. Da muss man jeglichen Risiken aus dem Weg gehen."

Auch die langen Transportwege waren ein Problem für den Traditionshersteller. So wurde die Stoffversion des Eisbären Knut laut Steiff innerhalb weniger Monate 80.000 Mal bestellt. Von China aus brauchen die Kuscheltiere aber per Schiff bis zu drei Monate, bis sie ihr vorübergehendes Zuhause in deutschen Spielwarenläden erreichen.

Prozess dauert zwei Jahre

Nach Angaben von Steiff wurde bereits Anfang dieses Jahres begonnen, die Produktion in China zurückzufahren. Der Prozess soll insgesamt zwei Jahre dauern. Der Anteil der Herstellung in Asien habe bei unter 20 Prozent gelegen. Nach wie vor produziert Steiff in Portugal und Tunesien.

Für die Spielzeugbranche ist der Schritt von Steiff eine Entscheidung gegen den Trend: Laut dem Verband der Spielwarenindustrie stammten 2007 mehr als drei Viertel der bundesweit verkauften Puppen, Modellautos und Plüschtiere aus China, wie die "Stuttgarter Nachrichten" schrieben. Der Importwert der Fernostware lag im vergangenen Jahr bei 1,8 Milliarden Euro.

AP AP

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