QUARTAL Deutsche Telekom: Besser als erwartet


Das operative Ergebnis des dritten Quartals stieg überraschend an, im Gesamtjahr wird trotzdem mit einem Nettoverlust gerechnet. Dividende soll's trotzdem geben.

Die Deutsche Telekom verzeichnete im dritten Quartal einen für Analysten überraschend hohen Anstieg beim operativen Ergebnis und hat ihre Geschäftsziele für das Gesamtjahr bekräftigt. Wie die Telekom mitteilte, wuchs das um Sondereffekte bereinigte und damit zum Vorjahr vergleichbare Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) gegenüber dem Vorjahresquartal um gut 20 Prozent auf 4,088 Milliarden Euro (2. Quartal: 3,6 Milliarden ?). Vor allem ein hohes Teilnehmerwachstum und gesunkene Kosten für die Kundengewinnung im Mobilfunk hatten dazu beigetragen. Für das Gesamtjahr bekräftigte die Telekom ihre Erwartung eines Nettoverlusts, der aber die Fähigkeit zur Zahlung einer Dividende nicht beeinflussen soll.

Die Zukäufe machen's

Der Umsatz im dritten Quartal ist vor allem auf Grund der erstmaligen Berücksichtigung der US-Tochter VoiceStream und anderer Zukäufe auf 12,525 Milliarden Euro (Vorjahresquartal: rund zehn Milliarden ?) und 11,4 Milliarden im zweiten Quartal angestiegen. Der Verlust betrug im dritten Quartal 627 Millionen Euro. Ohne positive Sondererträge aus dem Verkauf von Anteilen an dem US-Mobilfunkunternehmen Sprint und der Mehrheit am TV-Kabelnetz in Baden-Württemberg hätte der Quartalsverlust jedoch sogar 1,51 Milliarden Euro betragen, nach einem Minus von rund einer Milliarde im zweiten Quartal und rund 350 Millionen im ersten Quartal. Im Überschuss des Vorjahresquartals mit 4,1 Milliarden Euro sind ebenfalls Sondererträge enthalten, was einen Vergleich erschwert.

Rote Zahlen bleiben

Auch im Gesamtjahr wird die Telekom rote Zahlen schreiben, da jüngsten Angaben zufolge mit dem Erlös aus dem Verkauf weiterer Kabelgesellschaften an Liberty Media erst 2002 zu rechnen ist. Der Bonner Konzern bekräftigte aber die zu Jahresbeginn genannten Geschäftsziele. Der Umsatz soll um mehr als 15 Prozent steigen, hieß es am Mittwoch. Als angestrebter Anteil des Ebitda vom Umsatz wurden 30 Prozent genannt, wozu ein verbessertes operatives Ergebnis im Mobilfunk beitragen soll.

Festnetz schlechter als bisher

Die einzelnen Geschäftssparten entwickelten sich im dritten Quartal unterschiedlich. Bei der umsatzstärksten Festnetz-Sparte T-Com sanken Umsatz und operatives Ergebnis auf Grund der Verkäufe der TV-Kabelnetze und geringer Verbindungsentgelte im Vergleich mit dem Vorjahresquartal. Dagegen legten in der Systemhaus-Sparte T-Systems Umsatz und Ebitda deutlich zu. Darin spiegelt sich die Konsolidierung von Debis Systemhaus wider. Die Ausweitung des Ebitda und des Umsatzes im Mobilfunk im Quartal führte die Telekom auf eine Verbesserung der Margen in nahezu allen Beteiligungen zurück. Negativ schlugen die Abschreibungen auf den Firmenwert von VoiceStream und die Aufwendungen für den UMTS-Mobilfunk zu Buche.

Multimedia macht Mut

In der Multimedia-Sparte T-Online kletterte der Umsatz im Jahresvergleich, wobei die Internet-Tochter überproportional zum Erlös-Wachstum beitrug. Das operative Ergebnis Ebitda blieb nahezu konstant. Die in der Konzernsparte Sonstiges zusammengefassten Umsätze stiegen im Jahresvergleich wegen der erstmaligen Berücksichtigung von osteuropäischen Töchtern, wobei das durch Sondereinflüsse geprägte Ebitda anstieg.

Verkäufe sollen Kasse füllen

Immerhin konnte die Telekom ihre Schulden weiter abbauen. Die Netto-Finanzverbindlichkeiten sanken allein im dritten Quartal um 5,8 Milliarden Euro auf 65,2 Milliarden Euro - vor allem durch den Verkauf der Anteile an der US-Telefongesellschaft Sprint PCS und den Restverkaufspreis für die Beteiligung der Telekom an der italienischen Wind. Ende September 2000 hatten die Schulden der Telekom allerdings nur 55,4 Milliarden Euro betragen.

Schwacher Kurs liegt nicht an den Zahlen

Analysten äußerten sich in ersten Stellungnahmen positiv über das operative Telekom-Ergebnis, das über den Erwartungen lag. Der schwache Aktienkurs ist auf negative Börseneinschätzungen über den möglichen Rückfluss von Aktien an den Markt und die Neugewichtung der MSCI-Indizes zurückzuführen. Dies könne zu einer Kursentwicklung unter Branchendurchschnitt führen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker