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Rettungspaket: Nur wenige Banker verlieren Geld

Die Regierung will die Gehälter von Bank-Managern auf 500.000 Euro beschränken, wenn die Banken Geld vom Staat bekommen. Aber wie viele würde das treffen? Nur wenige, sagt Unternehmensberater Alexander von Preen im stern.de-Interview - er erklärt, was an der Managervergütung wirklich falsch ist.

Herr von Preen, die Bundesregierung will das Gehalt von Managern, deren Bank Hilfe vom Staat annimmt, auf 500.000 Euro begrenzen. Wie viele Bank-Manager in Deutschland verdienen überhaupt so viel?

Nur rund 20 Prozent aller Vorstände in der Bankbranche bekommen ein Fixgehalt von 500.000 Euro oder mehr. Wir reden deshalb nur über eine kleine überschaubare Gruppe von Menschen. Ich halte auch nichts davon, die Bezüge willkürlich zu begrenzen. Wir brauchen ein unternehmerisches Model. Die Gehälter müssen sich viel stärker an langfristigen Zielen orientieren.

Derzeit bekommen Manager eher mehr Geld für kurzfristige Erfolge?

Die Vergütung ist kurz- und mittelfristig orientiert. Das Problem ist darüber hinaus, dass neben absoluten Kennziffern auch relative Vergleiche herangezogen werden. Wenn fast die gesamte Branche schlecht abschneidet, kann es trotzdem bei manchen Vorständen zu einer hohen variablen Vergütung kommen, obwohl sich das Unternehmen ebenfalls nicht gut entwickelt hat. Es hat eben nur weniger schlecht abgeschnitten als die Konkurrenz. Ein Vergleich mit den Wettbewerbern kann deshalb nur bedingt ein Maßstab sein. Es müssen stattdessen Zielgrößen her, die die langfristige Entwicklung des Unternehmens widerspiegeln. Die Vergütung darf sich nicht allein am Aktienkurs oder an der Entwicklung der Konkurrenz orientieren.

Sie sagen, nur wenige Manager verdienen überhaupt mehr als 500.000 Euro. Das Problem ist dann offenbar deutlich kleiner als von der Politik behauptet?

Ja. Die Diskussion ist vielfach nicht sachorientiert. Nur 40 Prozent aller Bankvorstände in Deutschland bekommen inklusive Boni mehr als 500.000 Euro. Kein Manager eine großen Sparkasse oder auch einer Landesbank ist von der Regelung betroffen. Es geht ausschließlich um die großen internationalen Institute.

Ist es überhaupt wahrscheinlich, dass in diesem Jahr hohe Boni ausgezahlt werden?

Ich gehe davon aus, dass die variable Vergütung massiv zurückgefahren wird. Rund 60 Prozent der Vergütung bei Bank-Vorständen ist variabel. Schneidet die Bank in diesem Jahr extrem schlecht ab, werden deutlich weniger Boni ausgezahlt. Würden die Ziele zudem noch auf langfristige Größen umgestellt, würden die Boni eventuell komplett wegfallen.

Herr Ackermann will auf seinen Bonus komplett verzichten, auch wenn seine Bank kein staatlichen Hilfsgelder braucht.

Nur ein Teil der Vergütung von Herrn Ackermann richtet sich nach dem Abschneiden der Branche. Da die Deutsche Bank deutlich besser dasteht als ihre Konkurrenz - zum Beispiel als die Landesbanken - bekommt der Vorstand natürlich auch einen höheren Bonus.

Fokussieren wir uns nicht viel zu sehr auf die Vorstände? Es gibt im Investmentbanking und auch anderen Bereichen viele leitende Angestellte, die deutlich mehr als 500.000 Euro verdienen.

Wir müssen das gesamte Führungs- und Steuerungssystem auf den Prüfstand stellen. Wir brauchen eine nachhaltige Vergütungsstrategie, die sich an der werthaltigen Entwicklung des Unternehmens richtet. Unabhängig davon, ob der Angestellte im Vorstand sitzt oder nicht.

Grundsätzlich sollte es auch ein Selbstverständnis sein, dass die Vorstände einer Bank, die vom Staat gerettet wird, auf große Teile ihres Geldes verzichten.

Interview: Marcus Gatzke
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