Fragen und Antworten
Wie viele Ölreserven gibt's in Deutschland eigentlich? Und wo lagern sie?

Die Ölreserven Deutschlands werden teilweise freigegeben,
Die Ölreserven Deutschlands werden teilweise freigegeben, um den wegen des Iran-Kriegs deutlich gestiegenen Öl- und Spritpreisen zu begegnen
© Dirk Sattler / Imago Images
Deutschland gibt einen Teil der Ölreserven frei. Hintergrund sind die wegen des Irankriegs deutlich gestiegenen Preise. Was hat es mit der Reserve auf sich?

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) verpflichtet ihre Mitglieder, ständig Ölbestände vorzuhalten, die mindestens 90 Tagen ihrer Netto-Importe entsprechen. Deutschland hatte Zahlen der IEA zufolge im November vergangenen Jahres 34,42 Millionen Tonnen Öl auf Vorrat. Ein großer Teil davon ist Rohöl, das nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums vorwiegend in Norddeutschland gelagert wird. Diesel-, Benzin-, Heizöl- und Kerosinvorräte sind hingegen über das Bundesgebiet verteilt.

Warum gibt es überhaupt Ölreserven? 

Es geht um die Versorgungssicherheit der Wirtschaft und der Privathaushalte im Land. „Von Erdöl sind der private und gewerbliche Straßenverkehr, der Schiffs- und Flugverkehr, die Gebäudeheizung und die Produktion vieler Güter mehr oder weniger stark abhängig“, fasst das Bundeswirtschaftsministerium zusammen. Bei drohenden oder bereits eingetretenen Versorgungsstörungen könnten die Vorräte an Erdöl und Erdölerzeugnissen schnell in den Markt gebracht werden, um die Ölversorgung sicherzustellen.

Wie groß sind die deutschen Ölreserven?

Deutschland hat sich verpflichtet, die normalerweise in einem Zeitraum von 90 Tagen netto eingeführten Mengen auf Vorrat zu halten. Mit diesen sogenannten strategischen Ölvorräten könnte also für drei Monate ein vollständiger Ausfall aller Importe ausgeglichen werden.

Konkret sind das laut Wirtschaftsministerium etwa 15 Millionen Tonnen Rohöl und 9,5 Millionen Tonnen fertige Mineralölerzeugnisse. Mit „Ottokraftstoff, Dieselkraftstoff, Heizöl und Flugturbinenkraftstoff“ würden die wichtigsten energetisch genutzten Erdölerzeugnisse unmittelbar vorgehalten. „Andere können über die Verarbeitung von Rohölreserven produziert werden.“

Wo lagern die Vorräte?

Die Speicher befinden sich laut dem Erdölbevorratungsverband (EBV) hauptsächlich in Norddeutschland – insbesondere in Wilhelmshaven (Niedersachsen), Bremen, Heide (Schleswig-Holstein) und Sottorf bei Hamburg.

Seit Gründung der IEA im Jahr 1974 gab es fünf koordinierte Freigaben aus den Reserven: vor dem zweiten Golfkrieg 1991, nach den Hurrikanen Katrina und Rita 2005, während des Bürgerkriegs in Libyen 2011 und zweimal nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022.

Quellen: Bundeswirtschaftsministerium, EBV, mit Material der Nachrichtenagentur DPA

km

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