Die Ölreserven aus Asien und Ozeanien stehen sofort zur Verfügung, die Bestände aus Europa und Amerika folgen Ende März: Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat Details zur Freigabe der Öl-Notreserven bekannt gegeben, mit der ein zu starker Anstieg des Rohstoff-Preises verhindert werden soll.
Mit der Blockade der Straße von Hormus, einer wichtigen Transportroute, sind die Ölpreise in die Höhe geschossen. Teilweise wurden Preise von mehr als 100 Dollar pro Barrel aufgerufen. Der Iran, der die Schifffahrt auf der Meeresenge behindert, drohte: Die Welt müsse sich auf einen Ölpreis von 200 Dollar pro Barrel einstellen.
Deutschland gibt zehn Prozent seiner Ölreserven
Um die Entwicklung einzudämmen, sollen nun 411,9 Millionen Barrel Reserveöl von 32 Staaten freigegeben werden. Das soll einem Anstieg der Rohölpreise seit Beginn des Irankrieges entgegenwirken, wie die Agentur mitteilte. Davon stammen 271,7 Millionen Barrel aus Regierungsbeständen und 116,6 Millionen aus vorgeschriebenen Industriebeständen. Der Großteil der zugesagten Reserven – 195,8 Millionen Barrel – komme von Mitgliedsländern aus Nord- und Südamerika. Asien und Ozeanien trugen insgesamt 108,6 Millionen Barrel bei, Europa 107,5 Millionen Barrel.
Deutschland hat sich bereiterklärt, 19,51 Millionen Barrel beizusteuern, das sind ungefähr zehn Prozent der gesamten nationalen Ölreserve. Diese Bestände, bestehend aus Roh- und Heizöl, Benzin, Diesel und Kerosin, würden rechnerisch für 117 Tage reichen, also rund vier Monate. Die Notrationen lagern in unterirdischen Kavernen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und bei Hamburg.
Die jetzt freigegebene Gesamtmenge an Ölreserven von 400 Millionen Barrel Öl entspricht ungefähr dem weltweiten Verbrauch von vier Tagen oder der Menge, die unter normalen Umständen in 20 Tagen über die Straße von Hormus transportiert wird.
Die westlichen Volkswirtschaften koordinieren ihre strategischen Ölreserven über die IEA, die 1974 nach der Ölkrise gegründet wurde. Dies ist die sechste und bislang größte Freigabe von Reserven seit Gründung der Agentur. Die IEA-Mitglieder verfügen über Notreserven von mehr als 1,2 Milliarden Barrel.
Verbraucher spüren die Ölpreise am deutlichsten an der Zapfsäule. So haben sich die Benzin- und Dieselpreise seit der Blockade der Straße von Hormus deutlich erhöht.
Zuletzt kostete der Liter Diesel laut ADAC im Mittel 2,153 Euro, der Kraftstoff E10 2,035 Euro. In kaum einem anderen Land aber steigen die Spritpreise so stark wie in Deutschland. Experten vermuten deshalb, dass die Mineralölkonzerne den Krieg als Vorwand nehmen, die Autofahrer über Gebühr auszunehmen.
Quellen: IEA, Reuters, Worldometer, DPA, AFP, Deutsche Welle, BR