HOME

Aldi, Lidl und Amazon Fresh: Rewe-Chef: Der Wettbewerb der Supermärkte ist gnadenlos

Noch bis Ende Juni ist Alain Caparros Chef der Supermarktkette Rewe. In einem Interview erzählt er, wie Amazon Fresh und die Discounter Aldi und Lidl den Verdrängungswettbewerb verschärfen. 

Rewe-Chef Alain Caparros

Rewe-Chef Alain Caparros erklärt im Interview, vor welchen Herausforderungen Supermärkte stehen.

Alain Caparros tritt ab. Nach elf Jahren an der Spitze der Supermarktkette Rewe übergibt er den Chefposten an Lionel Souque. Und hinterlässt eine makellose Bilanz: Im Geschäftsjahr 2016 erzielte Rewe das beste Ergebnis der Geschichte. "Rekordumsatz, Rekordgewinn, Penny schreibt wieder schwarze Zahlen", sagt Caparros im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger". 

Doch die Branche steckt im Umbruch. Caparros hatte das früh erkannt und immer wieder mahnende Worte für die Branche gefunden. Denn längst stehen Supermärkte von verschiedenen Seiten unter Druck. Zum einen machen die großen Discounter Aldi und Lidl der Handelskette das Leben schwer. Immer mehr Markenprodukte stellen die Platzhirsche in ihre Regale - und drücken die Preise. Für Supermarktketten wie Rewe und Edeka bedeutet das: Preise ebenfalls reduzieren, um weiterhin wettbewerbsfähig zu sein. 

"Die Kosten steigen, die Umsätze kannibalisieren sich – wenn der eine Händler wächst, verliert der andere", sagt Caparros im Interview. "Wir kämpfen nicht mehr mit Händlern, wir kämpfen gegen Maschinen: Ich nenne das Industriediscount. Aldi und Lidl haben einen gewaltigen Marktanteil und haben die ganze Nation geprägt."

Amazon Fresh lässt Supermärkte zittern

Doch auch im Netz formieren sich neue Wettbewerber. Der Lebensmittellieferdienst Amazon Fresh soll in wenigen Wochen in Deutschland starten. Caparros hatte immer wieder vor dem Markteintritt des Internetgiganten gewarnt. Erst Ende Dezember sagte er: "Wir müssen uns warm anziehen gegen Amazon Fresh." 

 Branchenexperten erwarten, dass mit dem Einstieg des Onlinehändlers Amazon der Lebensmittelhandel übers Internet deutlich an Fahrt aufnehmen wird. "Wir dürfen nicht die Bequemlichkeit der Verbraucher unterschätzen. Der Kunde von morgen wird immer untreuer. Der banale Tagesbedarf wird nicht mehr stationär gekauft, davon bin ich überzeugt. Aber frische Lebensmittel werden Kunden auch weiter bei Rewe kaufen", so Caparros.

Rewe wird als zu teuer wahrgenommen

Zwar zählt Rewe zu den wenigen großen Playern im Markt, die sich früh um den Internetkauf von Lebensmitteln bemüht haben. Doch Kunden in Deutschland sind preissensibel. "Die Leute gehen sogar für zwei Cent woanders hin. Auch psychologische Effekte werden unterschätzt. Rewe ist in der Preiswahrnehmung einiger Kunden zu teuer, auch wenn wir im Preiseinstiegsbereich mit den 'ja'-Produkten immer Aldi-Niveau haben. Da müssen wir verdammt aufpassen."