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Lebensmittel liefern lassen: Rewe und Co. zittern: Startet Amazon Fresh noch dieses Jahr in Deutschland?

Wir kaufen alles im Netz und lassen uns alles liefern, nur bei frischen Lebensmitteln sind wir zögerlich. Das könnte sich schnell ändern, wenn Amazon seinen Lieferdienst Fresh startet, befürchtet die Konkurrenz. 

Amazon fresh: Wann kommt der Lebensmittel-Lieferdienst nach Deutschland?

Amazon fresh: Wann kommt der Lebensmittel-Lieferdienst nach Deutschland?

Schuhe, Wein, Bücher, Technik und sogar Matratzen: Dank des Online-Handels lassen sich Kunden alles bequem nach Hause liefern. Nur bei frischen Lebensmitteln tun sich die Deutschen bislang schwer. Zwar gibt es die ersten Vorstöße von Supermärkten und Start-ups, um den Lebensmitteleinkauf zu reformieren. Doch auf großes Interesse scheint dieses Angebot noch nicht zu stoßen.

Das könnte sich schnell ändern, wenn Amazon den eigenen Lieferdienst Fresh auch in Deutschland startet. Bislang gibt es das Angebot, das allerlei Lebensmittel und auch frische Produkte beinhaltet, noch nicht hier auf dem Markt. Im Juni war das Angebot in Großbritannien angelaufen. Ein Hinweis für Branchenkenner, dass der Händler auch in Deutschland bald Lebensmittel liefern wird. 

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Amazon Fresh, ein Tornado? 

Für die Konkurrenz sind das keine guten Nachrichten. Rewe-Chef Alain Caparros warnte bereits, der Internetriese werde "wie ein Tornado in die Branche einziehen und so manchen Händler in Schwierigkeiten bringen", berichtet "DPA". Rund 170 Milliarden Euro geben die Deutschen im Lebensmitteleinzelhandel aus - ein riesiger Markt also, der bislang kaum von Online-Händlern bedient wird. Lediglich ein Prozent der Branchenumsätze werden im Netz verdient. Sollte sich eine Marktmacht wie Amazon auf dieses Parkett bewegen, könnte sich das ändern. "Amazon könnte hier einen Dammbruch bewirken“, sagt Gerrit Heinemann, Handelsexperte von der Hochschule Niederrhein dem DPA. Er glaubt, dass Amazon Fresh noch in diesem Jahr in Deutschland starten wird. 

Einige Indizien für diesen Schritt gibt es. So startete Amazon Now im Mai in Berlin. Mit diesem Angebot können sich Prime-Mitglieder ausgewählte Produkte, wie Bier, Bücher, aber auch Tiefkühlpizza oder Salat binnen einer Stunde liefern lassen. Quasi die Lebensmittel-Lieferung light - aber immerhin ein Schritt in die Richtung. Für bequeme Notfall-Shopper mag der Dienst eine echte Erleichterung sein - den großen Samstagseinkauf kann der Lieferdienst aber nicht ersetzen. 

Rewe liefert bereits nach Hause

Der Grund dafür: Deutschlands Verbraucher sind sehr preissensibel. Sie vergleichen ihre Einkaufsbons, schauen gezielt nach Angeboten. Dazu kommt eine weitere Hürde für den Onlinehandel mit Lebensmitteln: Die Dichte an Supermärkten ist in Deutschland hoch. Diese Gründe scheinen auch bislang andere Markteilnehmer von einem groß ausgerollten Lieferangebot zurückschrecken zu lassen. Lediglich Rewe bewirbt das hauseigene Lieferprogramm. In 75 Städten können sich Kunden frische Lebensmittel liefern lassen. Das kostet dann zusätzlich zum Einkauf zwischen 3,90 Euro und 5,90 Euro an Liefergebühren. Das Problem: "Dort, wo der Online-Handel den größten Mehrwert bieten würde – auf dem Land – funktioniert er nicht, weil die Kosten durch die Decke gehen", sagt Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH), der "DPA". "Wo er sich rechnen könnte wie zum Beispiel in Berlin, gibt es an jeder Ecke einen Supermarkt und das macht ihn für die Kunden unattraktiv.“

Amazon schweigt zu Fresh in Deutschland

Und Amazon? Schweigt bislang. Zumindest zum Starttermin mag sich auch der Amazon-Deutschland Chef Ralf Kleber nicht äußern. Er habe immer wieder gehört, dass Amazon mit dem Lieferdienst für Lebensmittel zu spät dran sei, sagte er kürzlich dem stern. Aber: "Es kommt nicht darauf an, wann man startet, sondern wie man startet", so Kleber.