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Robomotion: Hände für Maschinen

Die für den Gründerpreis nominierte Firma "Robomotion" stand vor der Herausforderung, Lebensmittel möglichst schnell zu verpacken. Ihre Lösung: Robotoren mit Augen und Händen.

Von Matthias Lauerer

Wenn Geschäftsführer Andreas Wolf seinen Laptop herausholt, läuft meist zuerst ein alter schwarz/weiß-Film: In ihm mühen sich zwei Frauen an einem Fabrikband und versuchen, die vor ihnen immer schneller entlanglaufenden Pralinen per Hand in Kartons zu packen. Um es kurz zu machen: Sie scheitern am steigenden Tempo und stopfen die Pralinen deshalb in ihrer Hilflosigkeit in den Mund. Toller Slapstick aus den 30er Jahren, der treffend das Kernproblem, um das sich die Firma Robomotion kümmert, beschreibt: Wie verpackt man fragile Gegenstände in Rekordtempo? Die Lösung ist eine Verquickung von Verpackungs- und Robotertechnologie - jedenfalls wenn man "Robomotion"-Gründer Andreas Wolf fragt. Er schwärmt von Robotern für das "High Speed Handling" und neuartigen Steuerungs-Anlagen wie andere Leute von gutem Wein oder schönen Gemälden. Sein Unternehmen hat sich auf Roboter-Anwendungen spezialisiert, die in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden.

Beispiel BiFi-Würstchen: Schon lange vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 trat der BIFI-Hersteller Unilever an Wolf und seinen Kompagnon Steffen Mayer mit einem besonderen Wunsch heran. Man wolle zur WM zu Werbezwecken unterschiedlich lange und mit verschiedenen Zusatzgaben ausgestattete Würstchen problemlos mit ein und derselben Anlage produzieren können.

Am Anfang war das Würstchen

"Robomotion" entwickelte dafür besonders innovative Greifarme und montierte sie an Serienrobotern. "Robocollect" nennt sich das komplette Greiferpaket, inklusive einer selbst entwickelten Software. Die Herausforderung für die acht Mitarbeiter der Firma: die Würstchen stecken zum Schutz in dünnen Plastikhäuten, die Licht reflektieren. Normalerweise führt Reflektion zu hohen Fehlerquoten, denn die Roboter orientieren sich optisch. Gemeinsam machte man sich ans Werk und fand in monatelanger Arbeit eine Lösung. Und so bissen die Fußball-Fans während der Weltmeisterschaft in allerlei unterschiedlich gepackte Würstchen.

Die Stuttgarter Firma existiert bereits seit dem Jahr 2004 und profitiert von den gesammelten Vorkenntnissen der Gründer. So arbeitete Wolf viele Jahre am bekannten Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart. Dort legte er sich das nötige technische Know-how zu.

Schon im ersten Geschäftsjahr 2004 fuhr das Unternehmen mit nur drei Mitarbeitern einen Umsatz von 330.000 Euro ein. Heute hat sich dieser bereits verdreifacht. Besonderen Wert legt Wolf darauf, dass mit der Robomotion-Technologie die "Produktion in Deutschland gehalten werden kann". Obwohl Großkonzerne heute bereit sind, ihre Betriebe in Billiglohnländer wie Ungarn oder Rumänien auszulagern, sei es mit modernster Technologie möglich, Produkte flexibel in Deutschland zu produzieren. Damit das trotz immer knapper werdender Fachkräfte in Deutschland auch weiterhin funktioniert, setzt die Firma auf die Nähe zur Universität. Studenten werden frühzeitig ans Unternehmen gebunden, um künftige Mitarbeiter zu gewinnen. Wolfs Vision für die Zukunft: "Die Roboter sollen Augen und Hände bekommen", schwärmt er. "Das lässt sich schon mit der heutigen Kamera- und Sensortechnik leisten."

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