Bundesliga HSV stolpert in Nürnberg


Für die Bayern-Verfolger vom HSV hat die Bundesliga-Rückrunde mit einem Fehlstart begonnen: In Nürnberg mussten sie sich den spielstarken "Cluberern" geschlagen geben.

Beim glanzlosen Bundesliga-Comeback von Torjäger Ailton hat der Hamburger SV als erster Bayern-Jäger einen herben Rückschlag im Kampf um die deutsche Fußball-Meisterschaft kassiert. Der Tabellenzweite unterlag am Samstag zum Rückrunden-Auftakt bei einem nach der Pause wie entfesselt aufspielenden 1. FC Nürnberg verdient mit 1:2 (0:0). Damit erhöhte sich der Rückstand der Hanseaten auf Spitzenreiter Bayern München auf neun Punkte.

Am Sonntag hat Werder Bremen die Chance, mit einem Sieg bei Arminia Bielefeld am HSV vorbei auf den zweiten Rang zu rücken. In der Abstiegszone feierte der MSV Duisburg mit seinem neuen Trainer Jürgen Kohler durch ein 1:0 (1:0) beim VfB Stuttgart einen ebenso überraschenden wie wichtigen Sieg.

Von den drei Trainer-Debüts der in der Winterpause verpflichteten Fußball-Lehrer Kohler, Klaus Augenthaler (VfL Wolfsburg) und Hanspeter Latour (1. FC Köln) war nur das von Ex-Nationalspieler Kohler beim MSV Duisburg von Erfolg gekrönt.

Schock für Nürnberg: Mintal ausgefallen

Der Russe Iwan Saenko (67.) und der eingewechselte U 21-Nationalspieler Stefan Kießling (73.) sorgten mit ihren Toren gegen Hamburg für den erst zweiten Saison-Heimsieg der Nürnberger, die in der 64. Minute nach einem Eigentor von Abwehrspieler Andreas Wolf sogar in Rückstand gelegen waren. Der "Club" verdiente sich die drei wichtigen Punkte im Abstiegskampf mit einer großen Leistungssteigerung nach der Pause.

Das 50. Duell mit dem HSV begann für die Franken allerdings mit einem Schock: Kurz nach dem Anpfiff war das sehnsüchtig erwartete Comeback von Torjäger Marek Mintal schon wieder beendet. Vier Monate nach seinem Mittelfußbruch verletzte sich der Mittelfeldspieler erneut am linken Fuß, als er ohne gegnerische Einwirkung umknickte. Der Torschützenkönig der vergangenen Saison musste ausgewechselt werden, die Schwere der Verletzung stand zunächst nicht fest.

Die Hamburger mussten ebenfalls mehrere Stammkräfte ersetzen, darunter die mit jeweils sechs Treffern erfolgreichsten Schützen Rafael van der Vaart (Knöchel-Operation) und Sergej Barbarez (Gelb-Sperre). Dafür standen die Winter-Einkäufe Ailton und Nigel de Jong in der Startformation. Der brasilianische Torjäger, der von Besiktas Istanbul zurück in die Bundesliga gewechselt war, trat kaum in Erscheinung und blieb ohne eine Torchance. Der niederländische Nationalspieler de Jong, der von Ajax Amsterdam verpflichtet worden war, machte im defensiven Mittelfeld einen ordentlichen Eindruck, leistete sich aber vor dem Siegtor einen folgenschweren Ballverlust.

Der HSV konnte seine größere individuelle Klasse nie ausspielen. Die Nürnberger dagegen waren laufstark, standen nah am Mann und entfachten nach der Pause einen gewaltigen Druck. Nicht einmal das Eigentor von Wolf, der eine Flanke von Piotr Trochowski unglücklich ins eigene Tor lenkte, konnte die Franken stoppen. Saenko gelang mit einem 20-Meter-Schuss, der von HSV-Verteidiger Khalid Boulahrouz unhaltbar abgefälscht wurde, postwendend der Ausgleich. Kießling machte mit seinem siebten Saisontor den Favoritensturz perfekt.

Augenthalers und Latours Debüts verpatzt

Hohen Unterhaltungswert hatte das erste Bundesliga-Heimspiel des FSV Mainz 05 gegen den 1. FC Köln, das mit einem misslungenen Debüt für FC-Trainer Latour endete. Beim 4:2 (1:1)-Sieg der Mainzer trafen Michael Thurk (5., 55.), Mohamed Zidan (61.) und Benjamin Auer (87.) für den FSV, Nationalspieler Lukas Podolski (32./Foulelfmeter) und Matthias Scherz (49.) für die Kölner.

Dem neuen Wolfsburger Trainer Augenthaler hat Borussia Dortmund das Debüt verdorben. Ohne den ausgemusterten argentinischen Regisseur Andres D'Alessandro verlor der VfL mit 2:3 (1:2) beim BVB. Den Gästen gelang zwar nach einem sehenswerten Solo von Mike Hanke (13.) die Führung. Doch der BVB drehte durch ein Eigentor von Stefan Schnoor (24.) und den 12. Saisontreffer des polnischen Nationalspielers Ebi Smolarek (31.) noch vor der Pause die Partie. Salvatore Gambino (66.) erhöhte auf 3:1, Diego Klimowicz (71.) gelang nur noch Kosmetik.

Leverkusens Talfahrt gestoppt

Aufatmen für Jürgen Kohler: Seine abstiegsgefährdeten Duisburger sicherten sich drei Punkte beim VfB Stuttgart. Ausgerechnet der Ex-Stuttgarter Marco Caligiuri (43.) sorgte für den 1:0-Sieg seines neuen Clubs MSV Duisburg.

Wenig besser als bei den Schwaben dürfte die Stimmung nach dem 1:1 (0:1) gegen Hannover 96 bei Hertha BSC sein. Erst in der Nachspielzeit gelang Dick van Burik der schmeichelhafte Ausgleich. Für die Niedersachsen hatte Christoph Dabrowski (12.) getroffen. Die 96er mussten eine Halbzeit lang nach der Gelb-Roten Karte gegen Altin Lala (45.) mit zehn Mann auskommen.

Die Talfahrt von Bayer Leverkusen ist erst einmal gestoppt. Gegen Eintracht Frankfurt setzte sich die Elf von Trainer Michael Skibbe nach einem.0:1-Rückstand noch mit 2:1 (0:1) durch. Ioannis Amanatidis (42.) hatte die Eintracht zwar in Führung geschossen, doch Paul Freier (67.) und Bayer-Keeper Jörg Butt (74./Foulelfmeter) drehten die Partie.

Der 18. Spieltag wird am Sonntag mit den Begegnungen 1. FC Kaiserslautern gegen FC Schalke.04 und Arminia Bielefeld - Werder Bremen (beide 17.30 Uhr) abgeschlossen.

Wolfsburg wird durchgereicht

Die Talfahrt des VfL Wolfsburg hält auch unter der Regie von Klaus Augenthaler unvermindert an. Beim misslungenen Debüt des neuen Trainers unterlagen die Norddeutschen bei Borussia Dortmund mit 2:3 (1:2). Vor 62.500 Zuschauern im Signal-Iduna-Park besiegelten ein Eigentor von Stefan Schnoor (24.) sowie Treffer von Ebi Smolarek (31.) und Salvatore Gambino (66.) am Samstag die vierte Niederlage der Wolfsburger in Serie, die dem Tabellenkeller damit bedrohlich nahe kommen. Daran konnten auch die Gegentore von Mike Hanke (13.) und Diego Klimowicz (71.) nichts ändern.

Auch ohne den von Trainer Augenthaler ausgemusterten Andres d’Alessandro, den kurzfristig ausgefallenen Levan Tskitischwili sowie diverse Verletzte und für den Afrika-Cup abgestellte Profis erwischten die Gäste aus Wolfsburg einen Start nach Maß: Vor den Augen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann versetzte VfL-Stürmer Hanke seinen Gegenspieler Christoph Metzelder und nutzte die erste Chance seiner Mannschaft zur Führung. Doch die Freude über Hankes fünften Saisontreffer währte nur neun Minuten. Einen Schuss von BVB-Manndecker Christian Wörns beförderte Schnoor unglücklich ins eigene Netz. Damit nicht genug: Mit einem Geniestreich leitete Tomàs Rosicky die 2:1-Führung für den BVB ein. Nach einem ansehnlichen Solo bediente er seinen Mitspieler Smolarek mustergültig. Der Pole untermauerte seinen Ruf als neuer Torjäger der Borussia und traf zum 12. Mal in dieser Saison ins Tor.

Ähnlich wie zum Ende der ersten Halbzeit bestimmte der BVB auch nach Wiederanpfiff die Partie. Smolarek (47.) traf per Kopf den Pfosten, der starke Rosicky (58.) schoss einen Fernschuss nur knapp am Tor vorbei. Das größere Engagement der Borussia wurde jedoch auch belohnt. Aus sieben Metern sorgte der wieder ins Team gerückte Gambino für die vermeintliche Vorentscheidung. Doch der fünfte Heimsieg der Dortmunder geriet noch ernsthaft in Gefahr. Zunächst verkürzte Klimowicz nach einer Unsicherheit von BVB-Keeper Roman Weidenfeller auf 2:3, dann traf Cedrick Makiadi (76.) nur die Latte. Mit Müh' und Not rettete der BVB den Erfolg dann aber über die Zeit.

Gerd Münster/DPA DPA

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