In der Affäre um mutmaßliche sexuelle Belästigungen von Mitarbeiterinnen durch den früheren HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz ist der 63-Jährige in den Angriffsmodus gegangen: Die Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigte dem stern am Donnerstagnachmittag Medienberichte, wonach der Funktionär über eine Anwaltskanzlei Anzeige wegen Stalkings gegen Unbekannt erstattet habe.
Die Anzeige sei am 12. Dezember gestellt worden, so eine Sprecherin der Anklagebehörde – also vor der Berichterstattung über die mutmaßlichen Verfehlungen des Fußball-Europameisters von 1996. Am vergangenen Sonntag hatte die "Bild"-Zeitung öffentlich gemacht, dass Kuntz sich in seiner Funktion als Sportvorstand mindestens unangemessen gegenüber Mitarbeiterinnen des HSV verhalten haben soll (der stern berichtete).
"Schwerwiegendes Fehlverhalten" von Stefan Kuntz?
Dies soll auch der eigentliche Grund für die angeblich einvernehmliche Trennung zwischen dem Klub und seinem Manager zum Jahresende gewesen sein. Der Aufsichtsrat des Bundesligisten bestätigte die Anschuldigungen am vergangenen Montag indirekt. Es gebe "Vorwürfe eines schwerwiegenden Fehlverhaltens", hieß es in einer Stellungnahme. Diese seien "glaubhaft", die Trennung von Kuntz daher "schnellstmöglich" erfolgt.
Was genau im Umfeld des Hamburger Volksparks vorgefallen ist, ist weiterhin unklar. Zuletzt berichtete der "Spiegel", dass mutmaßlich Betroffene "unpassende" Äußerungen und "unangemessenen Körperkontakt" seitens Kuntz schilderten. "Die Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber dem Aufsichtsrat hat Herr Kuntz trotz mehrfacher Angebote explizit nicht genutzt", erklärte der HSV. Auch auf Anfrage des stern reagierten der frühere Nationalspieler und seine Anwälte nicht.
Kuntz verteidigte sich nach dem "Bild"-Bericht stattdessen via Instagram. "Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück!", schrieb er. Er werde mit Anwälten gegen die "falschen Vorwürfe und Vorverurteilungen" vorgehen. Seither schweigt Kuntz öffentlich.
Mit der Strafanzeige wegen Nachstellung nach Paragraf 238 des Strafgesetzbuches ist klar: Der frühere HSV-Sportvorstand sieht sich selbst als Opfer.
Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen. Welche Vorgänge konkret zur Anzeige gebracht wurden, wollte sie auf Anfrage nicht mitteilen. Gegen Stefan Kuntz liege derweil keine Strafanzeige vor.
Quellen: "Bild"-Zeitung, "Spiegel", Sport1, Hamburger SV, Stefan Kuntz, Staatsanwaltschaft Hamburg, Nachrichtenagentur DPA