Rücktritt Dresdnerchef Fahrholz geht


Bernd Fahrholz wird nach Angaben aus Finanzkreisen als Chef der Allianz-Tochter Dresdner Bank zurücktreten. Sein Nachfolger an der Spitze soll der bisherige Privatkundenchef der Deutschen Bank, Herbert Walter, werden.

"Fahrholz wird dem Aufsichtsrat der Allianz am Mittwoch seinen Rücktritt bekannt geben", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus den Kreisen. Sprecher von Allianz und Dresdner sowie der Deutschen Bank lehnten einen Kommentar zu dem spektakulären Führungswechsel ab. Die Allianz-Aktie reagierte zunächst kaum und tendierte am späten Nachmittag knapp 1,5 Prozent im Plus bei 63,25 Euro.

In einem Reuters vorliegenden Brief an die Mitarbeiter der Deutschen Bank vom Dienstag heißt es: "Herbert Walter verlässt auf eigenen Wunsch die Deutsche Bank, um sich einer neuen Aufgabe außerhalb der Bank zu widmen." Zu Walters Nachfolger als Chef des Privatkundengeschäfts habe der Vorstand mit sofortiger Wirkung Rainer Neske berufen, hieß es in dem von Bankchef Josef Ackermann und Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti unterzeichneten Schreiben weiter.

"Walter soll so schnell wie möglich bei der Dresdner starten", hieß es in den Kreisen. Denkbar sei ein Amtsantritt ab Anfang April.

Die Allianz wollte den Wechsel an der Spitze ihrer defizitären Tochter offenbar am Donnerstag bekannt geben, wenn der Finanzkonzern die Geschäftszahlen für 2002 veröffentlicht. Über einen bevorstehenden Rücktritt Fahrholz' war in der Branche bereits spekuliert worden, die meisten Beobachter hatten jedoch damit gerechnet, dass der Manager frühestens im Sommer seinen Platz würde räumen müssen. Doch offenbar wollte der designierte Allianz-Chef Michael Diekmann den Wechsel schon jetzt. Diekmann wird Ende April die Nachfolge von Henning Schulte-Noelle antreten, der an die Spitze des Allianz-Aufsichtsrats wechselt.

Vieles spricht dafür, dass die Dresdner Bank unter der Führung Walters sich noch stärker auf das Filialgeschäft als Vertriebskanal für die Versicherungs- und Altersvorsorgeprodukte konzentriert: Der 49-jährige ehemalige Chef der Deutschen Bank 24 ist ein ausgewiesener Fachmann für das Retail-Banking. Er war zuletzt im erweiterten Konzernvorstand der Deutschen Bank hauptsächlich für das Privatkundengeschäft in Europa sowie kleinere Firmenkunden zuständig.

Diekmann könnte schon am Donnerstag andeuten, dass der Konzern sich aus dem Investmentbanking verabschieden oder starke Partner dafür suchen wird, hieß es aus Bankenkreisen. "Mittelfristig stehen jetzt das Firmenkundenkundengeschäft und große Teile des Investmentbanking zur Disposition."

Analysten reagierten recht gelassen auf die Demission von Fahrholz. "Es ist offensichtlich, dass die Väter der Fusion von Allianz und Dresdner Bank für den bisherigen Misserfolg der Fusion zur Verantwortung gezogen werden. Das war nur eine Frage des Zeitpunktes", sagte Konrad Becker von Merck Finck in München. Auch er rechnet mit strategischen Änderungen bei der Dresdner Bank: "Möglicherweise könnte es unter seiner Führung bei der Dresdner noch weitere Einschnitte im Corporate- und Investmentbanking geben, die mit Fahrholz so nicht zu machen gewesen wären."

Der 55-jährige Jurist Fahrholz war nach dem Scheitern der Fusionspläne mit der Deutschen Bank im April 2000 als Nachfolger von Bernhard Walter an die Spitze der Dresdner gerückt. Als der Großaktionär Allianz die Bank Mitte 2001 dann für rund 24 Milliarden Euro vollständig übernahm, wurde er Stellvertreter von Vorstandschef Schulte-Noelle. Der Dresdner Bank verordnete Fahrholz einen strikten Sparkurs und setzte den bis Ende 2003 angekündigten Abbau von 11.000 Stellen weitgehend um.

Bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 2002 werden Schulte-Noelle und Diekmann alles daran setzen, das Vertrauen der Märkte in die Kapitalstärke des Finanzkonzerns zurückzugewinnen. "Der Fahrholz-Rücktritt sollte der Überraschungscoup sein. Es gibt aber noch andere spannende Ankündigungen", hieß es in den Kreisen. An den Börsen hatten Spekulationen über eine bevorstehende Kapitalerhöhung den Kurs der Allianz-Aktie Mitte der vergangenen Woche massiv gedrückt.

Viele Analysten gehen aber davon aus, dass die Allianz ohne eine von den Rating-Agenturen lange angemahnte Kapitalerhöhung auskommt. Denkbar wären Beteiligungsverkäufe, Verbriefungen oder andere strukturierte Finanzierungen wie etwa die Aufnahme von so genanntem Hybrid-Kapital - also Fremdkapital, das teilweise als Eigenkapital angerechnet wird.

Von Reuters befragte Analysten rechnen im Schnitt mit einem Verlust nach Steuern von knapp 1,4 Milliarden Euro nach einem Konzernjahresüberschuss von 1,623 Milliarden im Jahr 2001. Die Dresdner dürfte im Schlussquartal den Konzern erneut mit rund einer Milliarden Euro belastet haben.


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