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Rücktrittsgerüchte: Absurdes Hick-Hack um Porsche-Chef

Der Kampf um die Vorherrschaft bei Porsche und Volkswagen geht in die entscheidende Runde. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will mit einem Kraftakt die Eigenständigkeit des Stuttgarter Autobauers retten. Gerüchte um seinen Rücktritt torpedieren jedoch seine Bemühungen.

Das dramatische Ringen um die Zukunft von Porsche hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Der hoch verschuldete VW-Großaktionär arbeitet an einer Teilentschuldung mit Hilfe der Eigentümerfamilien, um seine Eigenständigkeit zu retten. Verhandelt wird demnach über eine Kapitalerhöhung in Höhe von bis zu fünf Milliarden Euro, die mit Hilfe der Familien Porsche und Piëch realisiert werden soll. Torpediert wurde die für den Sportwagenbauer positive Nachricht von Gerüchten, Vorstandschef Wendelin Wiedeking verlasse Porsche.

Die "Wirtschafts Woche" hatte ohne Angaben von Quellen das Aus von Wiedeking berichtet und dass schon in Kürze über den Nachfolger des Managers entschieden werde. Ein Porsche-Sprecher wies dies umgehend als falsch zurück: "Wiedeking ist im Amt und bleibt im Amt. Er ist nicht zurückgetreten und er wird auch nicht zurücktreten." Es habe auch noch keine Einigung der Familien Porsche und Piëch über die Zukunft des hoch verschuldeten Sportwagenbauers gegeben. "Hier wird ein Medienkrieg geführt", fügte der Sprecher hinzu.

Der Schuldenberg des Stuttgarter Autobauers ist nach DPA-Informationen inzwischen von neun auf rund zehn Milliarden Euro gestiegen. Porsche hatte sich bei der geplanten Übernahme von VW verhoben und sucht händeringend neue Geldquellen. Der Sportwagenbauer besitzt knapp 51 Prozent der Anteile an Volkswagen und hält mit Hilfe der Banken Aktienoptionen über weitere bis zu 24 Prozent.

Nach den Plänen von Wiedeking soll das Emirat Katar durch einen Kauf von Anteilen Milliarden in die Kassen von Porsche spülen. Katar soll laut Bankenkreisen insgesamt sieben Milliarden Euro für den Kauf von Stammaktien und VW-Optionen bieten.

VW-Plan mit Porsche als Anhängsel

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hatte zuvor die Familien in die Pflicht genommen. Er erwarte von ihnen, dass sie sich an einer Kapitalerhöhung beteiligen, sagte der Vize-Aufsichtsratschef nach einer Betriebsversammlung im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Weissach. Zudem hätten die Eigentümer versprochen, auch künftig die Eigenständigkeit des Sportwagenbauers zu sichern.

Auf dem Tisch liegt zudem immer noch der VW-Plan: Volkswagen will knapp die Hälfte der Porsche AG übernehmen, in der das Autogeschäft gebündelt ist. Der Sportwagenbauer soll als zehnte Marke in den Konzern integriert werden. Hück sagte zu den VW-Plänen: "Ein Einstieg von VW würde am Ende für beide Belegschaften Nachteile bringen" und damit auch Volkswagen schädigen. Auch Porsche-Chef Wiedeking will diese Variante mit allen Mitteln verhindern. Die Familien Porsche und Piëch ringen seit Monaten um eine Lösung.

VW berief für den 23. Juli eine Sondersitzung des Aufsichtsrats ein. Die Sitzung findet in Stuttgart statt, bestätigte Volkswagen dpa-Informationen. Am selben Tag ist auch eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung von Porsche geplant. In Konzernkreisen hieß es, es werde mit einer Grundsatzentscheidung der Familien schon vor den Sitzungen der Kontrollgremien gerechnet.

DPA/AP / AP / DPA