HOME

Saturn, Media Markt, Karstadt: Wie falsche Verkäufer die Kunden reinlegen

Lassen Sie sich im Kaufhaus beraten? Dann wurden Sie möglicherweise getäuscht: Medienberichten zufolge arbeiten bei Media Markt und Co. von Herstellern bezahlte Promoter, die als Verkäufer auftreten.

Von Christoph Fröhlich

Als Verkäufer getarnte Promoter schwatzen ahnungslosen Kunden Produkte bestimmter Hersteller auf, wie "Die Zeit" und NDR berichten

Als Verkäufer getarnte Promoter schwatzen ahnungslosen Kunden Produkte bestimmter Hersteller auf, wie "Die Zeit" und NDR berichten

Im Dezember schlägt die Stunde des Einzelhandels: Je näher der Heilige Abend heranrückt, desto voller werden die Shopping-Tempel. Immer mehr Kunden quetschen sich durch die engen Regalreihen. Wenn man dann noch einen der meist rar gesäten Verkäufer erwischt, steht dem Weihnachtsglück nichts mehr im Wege - oder? Ganz im Gegenteil: Wie Recherchen der Wochenzeitung "Zeit" und des NDR ergeben haben, werden viele Kunden in Kaufhäusern und Elektronik-Märkten systematisch getäuscht.

Neben unabhängigen Verkäufern treten demnach auch von Herstellern bezahlte Promoter als Beratungshilfe auf - ohne dass diese als Markenbotschafter erkennbar sind. Die Promoter kleideten sich wie reguläre Angestellte, manche trügen sogar ein Namensschild des Kaufhauses und seien damit optisch nicht mehr von ihren unabhängigen Kollegen zu unterscheiden, heißt es in dem Bericht. Die Verkaufstaktik nennt sich im Marketing-Sprech "Hidden Promotion".

Gezielter Kundenfang

Mit versteckter Kamera betraten NDR-Reporter mehrere Kaufhäuser, etwa das renommierte Alsterhaus in Hamburg oder die Läden der Elektronikmarkt-Ketten Saturn und Media Markt. Dort lotsten die als Verkäufer getarnten Promoter die Kunden zielsicher zu Geräten bestimmter Hersteller, bei deren Verkauf sie eine Provision kassieren. In einem Pseudo-Beratungsgespräch werden die eigenen Modelle als "Geheimtipp" angepriesen, häufig werden Geräte anderer Hersteller nicht einmal vorgestellt.

Erst auf Nachfrage gaben die Promoter zu, dass sie keine Saturn-Verkäufer sind. Sie bezeichnen sich stattdessen als "Spezial- oder Fachberater". Auf die Frage der Reporterin, warum eine Promoterin ihren wahren Arbeitgeber nicht auf das Namensschildchen schreibt - in ihrem Falle handelte es sich um die Fernseher-Hersteller Panasonic, Sony und Samsung -, entgegnete sie: "Ich kann das nicht auf mein Schild schreiben, denn dann würden die Kunden ja denken, ich sei voreingenommen - und das bin ich nicht." Als die Journalistin anmerkte, dass bei dem Beratungsgespräch nur Geräte der drei oben genannten Hersteller gezeigt wurden, gab es den kläglichen Erklärungsversuch: "Ich hätte auch Geräte anderer Hersteller gezeigt, aber da kenne ich nicht die Details."

Selbst in Edel-Kaufhäusern wird getrickst

Der Einsatz der voreingenommenen "Verkäufer" ist laut NDR ein lohnendes Geschäft: Die Händler bekommen kostenlose Verkaufsmitarbeiter, die Hersteller wiederum direkten Kundenkontakt. Nur die ahnungslosen Kunden kommen schlecht weg.

Ob Saturn, Media Markt, Karstadt oder Breuninger: Alle genannten Handelsunternehmen räumten den Einsatz von Promotern auf Nachfrage der "Zeit" und des NDR ein. Allerdings seien die eigenen Mitarbeiter "eindeutig durch ihre Mitarbeiterkleidung oder Namensschilder erkenntlich", erklärt etwa die Saturn-Media-Holding. Die Hersteller Sony und Samsung geben an, die eigenen Promoter seien im Einsatz klar gekennzeichnet. In den Tests mit versteckter Kamera entdeckten die Reporter aber immer wieder perfekt getarnte Verkäufer - selbst in Edel-Kaufhäusern wie dem Alsterhaus in Hamburg oder dem Berliner KaDeWe.

Der Verbraucherschützer Boris Wita beklagt die mögliche Irreführung der Verbraucher. "Freiwillig wird der Handel diese Praxis nicht abstellen, denn er profitiert davon: Hier werden kostenfreie Mitarbeiter in die Läden gestellt, die auch für einen großen, starken Umsatz sorgen." Es sei deshalb Aufgabe des Gesetzgebers, Regelungen zu erstellen, die es dem Handel auferlegt, die Berater "klar zu deklarieren".

Themen in diesem Artikel