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Finanzministertreffen: Wie rosafarbene Socken Schäuble sprachlos machten

Rosa gehört nicht an den deutschen Mann, darüber herrscht Konsens. Bei Franzosen sieht das schon anders aus. Der kann die Farbe selbst als Socke tragen, wie Wolfgang Schäuble gelernt hat.

Von Niels Kruse

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz in Deutschland, dass Männern das Tragen rosafarbener Kleidung untersagt. Vor einigen Jahren war diese Anweisung mal kurz außer Kraft gesetzt, aber auch nur, um jeden noch einmal und in aller Deutlichkeit vor Augen zu führen, wie extrem sinnvoll dieser Konsens ist.

Da das Modebewusstsein des deutschen Mannes bei der Goretex-Jacke in ockergelb endet, wirkt rosa an ihm wie die erste Schminke im Gesicht einer Zehnjährigen: unbefriedigend, um es vorsichtig zu sagen. Anders dagegen der Südländer. Italiener füllen ohnehin jeden Fetzen mit Grazie und auch die Franzosen sind nicht schlecht.

Wovon sich Wolfgang Schäuble jetzt persönlich überzeugen konnte. In Berlin traf der Bundesfinanzminister seinen französischen Kollegen Michel Sapin. Man sprach gerade über dies und das, Wirtschaftsflaute, Investitionen und so weiter, als der Monsieur aus Paris seine in dunkelblauen, feinen Stoff gehüllten Beine übereinanderschlug. Und siehe da: rosafarbene Socken. Er trug sie mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, für den die Welt der Farben nicht beim Ultra-HD-Fernseher aufhört. Kann nicht jeder. Sapin schon. Dachte sich offenbar auch Schäuble und staunte Bauklötze. Bauklötze in ockergelb.

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