SCHIFFAHRT Krieg der Kreuzfahrtgiganten


Seit November 2001 kämpfen die drei größten Kreuzfahrtgesellschaften um die zukünftige Herrschaft auf den Weltmeeren - bisher ohne Ergebnis. Nun platzte eine Riesenfusion.

Die Aktionäre der britischen Kreuzfahrtreederei P&O Princess Cruises PLC haben eine Verschiebung einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen auf der die Fusion mit der amerikanischen Royal Caribbean Cruises Ltd. genehmigt werden sollte. Die Transaktion hat nach Branchenschätzungen einen Wert von 3,46 Milliarden Dollar. Royal Caribbean ist die weltweite Nummer zwei unter den Kreuzfahrt-Reedereien und P&O Princess die Nummer drei.

Bisher ist Carnival die Nummer 1

Die P&O-Aktionäre folgten damit dem Wunsch des dritten Mitspielers, der amerikanischen Carnival Corporation. Carnival ist noch unumstrittener Branchenführer. Carnival hatte im Dezember ein eigenes feindliches Angebot für die P&O Princess abgegeben. Es war mehrfach erhöht worden und ist zur Zeit 5,4 Milliarden Dollar (6,2 Mrd Euro) wert.

Drei Konkurrenten um den Kuchen

Die drei Unternehmen kontrollieren rund 60 Prozent des globalen Kreuzfahrtgeschäfts. Der Kampf um P&O spielt sich auch vor dem Hintergrund erheblicher Rückschläge im Passagieraufkommen seit den Terroristenattacken im September 2001 ab.

Wettbewerbshüter sollen mitreden

Die Wettbewerbshüter in Brüssel und Washington sollen beide Angebote erst prüfen, hatte Carnival bei den P&O-Aktionären argumentiert. Das P&O-Management hatte die jüngste Carnival-Offerte abgelehnt, weil sie kaum Chancen auf eine kartellrechtliche Genehmigung hat. P&O hatte argumentiert, es wäre Carnival letztlich gleich, ob die Fusion von P&O mit Royal Caribbean torpediert oder ob die Übernahme von P&O vollzogen würde. In beiden Fällen könnte Carnival seine Position als weltgrößter Kreuzfahrt-Betreiber behaupten.

Rückzug unwahrscheinlich

Royal Caribbean verschob angesichts der P&O-Entscheidung seine eigene außerordentliche Hauptversammlung in Miami. »Wir sind offensichtlich enttäuscht über den Ausgang des Treffens«, erklärte Royal Caribbean-Konzernchef Richard Fain. Royal Caribbean will jetzt mit seinen Beratern über die Auswirkungen der Abstimmung auf die Fusion konsultieren. Branchenkenner glauben jedoch nicht, dass sich Royal Caribbean zurückziehen wird.

Neuer Riese durch Fusion

Sollte es zu einem Zusammenschluss zwischen Royal Caribbean und P&O Princess kommen, würde der weltgrößte Kreuzfahrtriese mit 5,6 Milliarden Dollar Umsatz, 520 Millionen Dollar Gewinn, mehr als drei Millionen jährlichen Kunden und einer Flotte von 41 Schiffen für 75.000 Passagiere entstehen. Carnival würde damit auf Platz zwei verdrängt. Die fusionierte Gesellschaft würde über die Kreuzfahrt-Linien Royal Caribbean, Princess, Celebrity, P&O Cruises, Swan Hellenic, AIDA und A?Rosa verfügen. P&O hatte im vergangenen Geschäftsjahr 2,45 Milliarden Dollar umgesetzt und Royal Caribbean (Miami/Florida) 3,15 Milliarden Dollar.

Carnival ist ein starker Gegner

Carnival (Miami) hatte im vergangenen Geschäftsjahr 4,54 Milliarden Dollar umgesetzt und 926 Millionen Dollar verdient. Der Konzern hat 43 Schiffe. Zu ihm gehören die Linien Carnival Cruise, Holland America, Costa Cruises, Cunard, Seabourn und Windstar. Kommt Carnival bei P&O zum Zug, baut die Gesellschaft unter Leitung ihres expansionsbedachten Konzernchefs Micky Arison die Führung noch weiter aus.


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