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Schuldenlast: Werkstattkette ATU streicht Hunderte Jobs

Schulden und ein schleppendes Geschäft: Die Werkstattkette ATU streicht Hunderte Stellen. Wegen der hohen Spritpreise würden Autofahrer bei Wartung und Instandhaltung ihrer Fahrzeuge sparen, was sich wiederum aufs Geschäft auswirke, hieß es von ATU.

Mit dem Abbau hunderter Stellen stemmt sich die in Bedrängnis geratene Autowerkstattkette ATU gegen die drückende Schuldenlast und das schlecht laufende Geschäft. Es wären aber deutlich weniger als die von der Branchenzeitung "Automobilwoche" genannten 1000 Stellen betroffen, sagte ATU-Sprecher Markus Stadler in Weiden (Oberpfalz). Eine konkrete Zahl nannte er nicht.

Stellungnahme vom Betriebsrat erwartet

Nach Einschätzung von informierten Kreisen wird ATU voraussichtlich pro deutscher Werkstatt die Belegschaft um durchschnittlich einen Mitarbeiter reduzieren. ATU betreibt derzeit rund 600 deutsche Filialen.

Stadler begründete den geplanten Personalabbau mit den hohen Spritpreisen. "Der Benzinpreisschock liegt den Autofahrern in den Knochen." Die Branche merke deutlich, dass Kunden bei der Wartung und Instandhaltung ihrer Fahrzeuge sparen. Der ATU-Gesamtbetriebsrat will in den kommenden Tagen eine Stellungnahme zu den Rationalisierungsplänen abgeben.

Stammbelegschaft soll verschont werden

Der Stellenabbau solle überwiegend durch Fluktuation oder die Beendigung von Arbeitsverhältnissen während der Probezeit erfolgen. Die langjährig bei ATU beschäftigte Stammbelegschaft solle möglichst geschont werden. Mit den Stellenkürzungen solle noch im Sommer begonnen werden. "Es werden aber keine Filialen geschlossen", betonte der Pressesprecher. Das Unternehmen hatte bereits im Frühjahr etwa 350 Arbeitsplätze gestrichen. Dabei handelte es sich um Saisonkräfte, die vorher für das Wintergeschäft eingestellt worden waren. Aktuell hat ATU europaweit noch rund 14.500 Beschäftigte.

ATU (Auto-Teile-Unger) war in den vergangenen beiden Jahren wegen des schleppenden Winterreifenverkaufs aufgrund der milden Witterung in Bedrängnis geraten. Um weniger saisonabhängig zu sein, will ATU nun verstärkt neue Geschäftsfelder wie die Betreuung von Firmen-Fuhrparks erschließen. Die Probleme beim Reifengeschäft führten dazu, dass 2007 bei ATU das operative Ergebnis (EBITDA) von 160 auf knapp 106 Millionen Euro zurückging. Binnen zwei Jahren brach das Ergebnis damit um etwa 75 Millionen Euro ein.

In der Expansion gebremst

Der Investor KKR (Kohlberg Kravis Roberts) hatte im Frühjahr dem Unternehmen eine Kapitalspritze von 140 Millionen Euro gewährt. Seit der Übernahme durch KKR vor vier Jahren hat ATU nach eigenen Angaben die Schulden von 950 auf 600 Millionen Euro reduziert.

Mittlerweile ist auch das ATU-Expansionstempo abgebremst worden. Früher wurden pro Jahr bis zu 50 Werkstätten neu aufgebaut. In diesem Jahr hat das Unternehmen bislang 18 Filialen eröffnet, bis Ende 2008 sollen auch keine neuen Werkstätten mehr dazukommen. In Deutschland gebe es wegen der flächendeckenden Verbreitung von ATU kaum mehr Bedarf für neue Geschäfte, heißt es vom Unternehmen.

DPA / DPA