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Schwächelnde US-Bank: Buffett pumpt Milliarden in Bank of America

Milliardenspritze für eine Großbank in Not: Nach dem Einstieg in die Investmentbank Goldman Sachs betätigt sich Warren Buffett erneut als Bankenretter und stattet die Bank of America mit einem großzügigen Polster aus. Die Börsen reagierten weltweit mit Freudensprüngen.

Investorenlegende Warren Buffett springt abermals einer stolzen US-Bank in Not bei: Für fünf Milliarden Dollar steigt seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway bei der angeschlagenen Bank of America ein, wie beide Seiten überraschend mitteilten. Investoren hatten sich in den vergangenen Tagen immer mehr Sorgen um die Kapitalausstattung der größten US-Bank gemacht, die mit Hypothekenklagen nur so überzogen wird.

Entsprechend herrschte an der Börse Feierstimmung: Die BofA-Aktie, die allein im August etwa ein Drittel ihres Wertes eingebüßt hat, legte in den ersten Handelsminuten an der Wall Street um fulminante 25 Prozent zu, gab dann jedoch im Handelsverlauf auf plus 12 Prozent nach. Auch der Dow-Jones-Index der US-Standardwerte und der Dax in Frankfurt zogen vorübergehend an. Händler und Analysten sprachen von einem großen Vertrauensbeweis Buffetts in die Bankenbranche.

Buffett erwirbt 50.000 Vorzugsaktien

Schon Goldman Sachs hatte auf Buffetts Hilfe zählen können - in der Finanzkrise war der inzwischen fast 81-Jährige bei der Investmentbank mit einem ähnlichen Deal eingestiegen wie jetzt bei der Bank of America. Das Engagement bei Goldman ist inzwischen beendet. Umso mehr Firepower hatte der Starinvestor nun, als er am Mittwochmorgen zum Telefonhörer griff und Bank-of-America-Chef Brian Moynihan seine Hilfe anbot.

Der Einigung zufolge bekommt Buffett 50.000 Vorzugsaktien - plus Optionen für 700 Millionen weitere Aktien des Geldhauses. Allein die Vorzugsaktien bescheren Buffett jährlich eine Dividende von sechs Prozent. "Ich glaube nicht, dass Bank of America noch eine Kapitalerhöhung braucht", sagte Sean Egan von Egan-Jones-Ratings. "Aber wenn dem so wäre, dann könnten sie das Problem binnen 30 Minuten lösen - mit einem Anruf bei Onkel Warren."

Bank of America wird mit Klagen von Hypothekeninvestoren überzogen

Buffett selbst erklärte: "Die Bank of America ist ein starkes, gut geführtes Institut." Das Geldhaus werde die Wende schaffen. Er bezeichnete sein Investment nicht nur als Vertrauensbeweis in die Bank, sondern grundsätzlich in die USA. Die Bank of America hängt wie keine andere Bank in den USA vom Wohl und Wehe der dortigen Verbraucher ab. Dass sie bislang nicht aus der Krise gekommen ist, geht aber vor allem auf ihr Hypothekengeschäft und die Altlasten des 2008 übernommenen Immobilienfinanzierers Countrywide zurück.

Die finanzielle Folgen sind noch immer kaum abschätzbar. In jüngsten Schätzungen hatten Analysten vorgerechnet, die Bank of America brauche schlimmstenfalls frisches Kapital über gut 50 Milliarden Dollar.

Buffett wiederum hat eine Vorliebe für Finanzunternehmen - auch außerhalb der USA. Bei der Munich Re ist er beispielsweise größter Einzelaktionär.

iml/DPA / DPA