Video der Straathof-Razzia Der grausame Alltag bei Europas größtem Schweinezüchter

Aufnahmen einer großangelegten Razzia in einem Schweinezuchtbetrieb nordöstlich von Magdeburg. In einer Kadaverbox liegt ein Ferkel, das noch atmet. Was dann folgt, ist nur schwer zu verkraften. Die Mitarbeiterin schleudert das Tier mehrfach gegen die nächste Kante. Was hier zu sehen ist, stammt nicht von Tierschutzaktivisten. Es sind offizielle Beweis-Videos der Polizei, die dem Stern vorliegen. Sie dokumentieren die dreitägige Durchsuchung in einem Betrieb der Straathof-Holding aus dem März dieses Jahres. Der Konzern ist einer der Big-Player der Schweinezucht. Er produzierte 2013 nach eigenen Angaben 1.5 Millionen Ferkel jährlich. Beliefert bundesweit Mastanlagen. Auch aufgrund dieser Aufnahmen soll nun erstmals einem Schweinezüchter dieser Größenordnung verboten werden, Tiere zu halten – und das per amtlichem Bescheid. Die Videoaufnahmen zeigen: Was die Kräfte an Veterinären und Landeskriminalbeamten bei der Razzia zu Gesicht bekamen, ging weit über das bisher bekannte hinaus. Die Liste an Vorwürfen ist lang. Sauen sollen auf Hochleistung gezüchtet worden sein und pro Wurf mehr Ferkel bekommen, als sie an ihren Zitzen ernähren können. Angeblich sollen bis zu 30 Prozent der geborenen Ferkel in den Ställen nicht überleben. Andere Sauen sollen lahmen oder haben - wie in diesen Aufnahmen zu sehen - offene Wunden. Und Straathof wird Vorgeworfen, dass es viel zu wenig Platz für die Tiere gibt. Das brutale Töten des Ferkels in der Kadaverbox war da nur vorläufige negative Höhepunkt. Noch wehrt sich die Schweinezucht gegen alle Vorwürfe. Die Anwälte des Inhabers Adrianus Straathof argumentieren: Der Bescheid leide an zahlreichen Mängeln. Auch auf Nachfrage des stern wies der Betrieb alle Vorwürfe zurück. So ist das Tierhaltungsverbot gegen ihn zwar ausgesprochen. Umgesetzt wurde es aber noch nicht. An welche Supermärkte das Fleisch der Ställe der Straathof Holding ausgeliefert wird, lässt sich indes nicht sagen. Von der Wurst bis zum Ferkel kann man die Produktion nicht zurückverfolgen.
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Ein Video dokumentiert die Zustände in den Ställen von Adrianus Straathof. Dem Schweinebaron wurde die Tierhaltung nun verboten. Ein Meilenstein gegen die Quälerei.

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