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Sex-Skandal der Ergo-Versicherung: Herr Kaiser hatte öfter Bock auf Lustreisen

Vor einem Jahr erschütterte die Ergo-Versicherung ein Sex-Skandal. Mitarbeiter vergnügten sich mit Prostituierten in Budapest. Offenbar kein Einzelfall. Sex-Reisen führten auch nach Jamaika.

Von Thomas Schmoll

Im Frühsommer 2011 hätte man Torsten Oletzky im Tiefschlaf wecken können und er hätte garantiert folgenden Satz gesagt: "Die unsägliche Veranstaltung in Budapest war ein Einzelfall." Immer und immer wieder präsentierte der Vorstandschef der Ergo-Versicherung öffentlich diesen einen Satz. Ziel: Schadensbegrenzung. Damals, im Juni vergangenen Jahres, flog der wohl schlimmste Skandal in der Geschichte des Konzerns auf. Die Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer hatte im Juni 2007 ihre freien Mitarbeiter mit der höchsten Erfolgsquote zur Belohnung für gute Geschäfte in die historische Gellert-Therme in Budapest eingeladen. Laut firmeninterner Untersuchung mit von der Partie: "Rund 60 bis 70 Damen für den Abend, davon 20 Prostituierte und weitere 40 bis 50 Hostessen."

Der Image-Schaden war enorm. Der Konzern bemühte sich, schnell aus den miesen Schlagzeilen zu kommen. Oletzky ordnete eine umfassende Prüfung an. Schon im Juni 2011 verkündete er: "Wir haben mit der Revision fast jeden Stein umgedreht und dabei nichts gefunden, was in Art oder Umfang mit der Budapest-Reise vergleichbar gewesen wäre." Eine Hintertür, so ließen sich seine Worte zumindest deuten, hielt sich der Top-Manager allerdings offen: "Natürlich wurden kleinere Regelverstöße gefunden, was bei rund 50.000 Mitarbeitern aber kein Wunder ist", sagte er damals der "Bild"-Zeitung.

Es war das "Handelsblatt", das die Affäre vor mehr als einem Jahr aufdeckte und vor knapp drei Wochen bizarre Details aus dem im Juni 2011 fertiggestellten Revisionsbericht zur Budapester Orgie veröffentlichte, der auf Aussagen von fast 100 aktuellen und früheren Mitarbeitern und Insidern des Konzerns beruht. 27 Angestellte der Prüfabteilung arbeiteten sich durch einen Berg von Papieren wie Tagungsprotokollen, Handy- und Spesenrechnungen, um dann solche Einzelheiten zu präsentieren: "Während des Dinners ist der gebuchte Stehgeiger aufgetreten. Dieser ist nach Angaben von A. der Schwager des Budapester Polizeipräsidenten."

Nun ist es wieder das "Handelsblatt", das die wahren Ausmaße des Skandals ans Licht bringt oder zumindest ein Licht darauf wirft. Auch die Einzelfall-Aussage des Firmenchefs steht damit auf der Kippe – trotz der Hintertür. "Handeslblatt"-Redakteur Sönke Iwersen meint: "Der Ergo-Vorstandsvorsitzende Torsten Oletzky muss seine Einzelfall-Theorie zur Budapest-Affäre überdenken." Nach Recherchen des Blattes, die von dem Konzern bestätigt wurden, gab es zwischen 2005 und 2011 weitere Lustreisen auf Kosten des Unternehmens. Nur wenige Tage nach Oletzkys Aussagen in der "Bild"-Zeitung stellte die Revision der Ergo nach "Handelsblatt"-Informationen drei weitere Berichte fertig. Fazit: "Lust-Reisen gab es sowohl vor als auch nach der Sex-Party in der Gellert-Therme." Die Budapest-Orgie sei zwar in ihrem Umfang einmalig gewesen, aber eben von der Art her auch nicht außergewöhnlich. Fahrten mit Sex-Hintergrund seien gängiges Belohnungsinstrument bei der Versicherung gewesen.

So fuhren der Wirtschaftszeitung zufolge im September 2005 verdiente Mitarbeiter der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer, die 35 Jahre "Herrn Kaiser" als Werbefigur in Szene setzte, nach Mallorca. Die Rede ist von jährlich einer "großen" und zweier "kleiner Top-Five-Clubreisen". Einer der Besuche mit 21 Teilnehmern habe 55.992,98 Euro gekostet. Beim Betreten eines "ganz besonderen Clubs" seien der frühere Leiter des Ergo-Vertriebs Hamburg-Mannheimer Inter-Organisation (HMI) "und andere überrascht gewesen, weil im Tresenbereich leicht bekleidete 'Mädels' gestanden hätten. Einige, zu denen er (der Leiter – die Red.) gehörte, seien dann ca. nach einer Stunde zurückgefahren, andere seien dort geblieben". Diejenigen, die in dem Club verweilten, hatten offenbar großen Hunger und Durst. Wieder daheim, reichte der Vertriebschef laut "Handelsblatt" eine Rechnung über 2428 Euro für "Speisen und Getränke" ein.

"Stillschweigende Zustimmung der Zentrale"

Der Bericht der Konzernrevision zeigt nach der Recherche von Iwersen, wie leicht käuflicher Sex habe intern abgerechnet werden können. "Und er dokumentiert entweder ein Versagen oder eine stillschweigende Zustimmung der Zentrale", meint der Autor. Der damalige Vertriebschef zeigt Gedächtnislücken. Er "erinnerte die Reise zwar, gab aber an, die Gruppe nicht in ein Bordell eingeladen zu haben", zitiert das "Handelsblatt" aus einem der Berichte. Bei der Prüfung der Budapester Sex-Sause kam ans Licht, dass "es auf einer Wettbewerbsveranstaltung der HMI nach Südamerika zu vergleichbaren Aktivitäten gekommen sei. Auf Nachfrage wurde der Hinweis dahingehend ergänzt, dass eine HMI-Geschäftsstelle in Frankfurt im Januar/Februar 2011 eine Wettbewerbsreise in ein 'Swinger-Hotel' in Jamaika durchgeführt habe".

Auch andere Ergo-Beschäftigte geizten mit Wissen. Der Frankfurter Geschäftsstellenleiter, der seine Vermittler als Belohnung auf Kosten der Ergo in einen Swinger-Club einlud, behielt nach Angaben der Zeitung seine Kenntnisse zunächst für sich, "auch dann, als ihn die Revision (im Juni 2011 – die Red.) nach dem Budapest-Skandal befragte". Erst einige Tage später habe der Manager eine SMS geschickt, die das Reiseziel bestätigt habe. Damals hatte Vorstandschef Oletzky dem Aufsichtsrat schon zugesichert, dass Budapest ein Einzelfall gewesen sei. In der "Bild"-Zeitung machte er damals sein Verhalten im Aufsichtsrat öffentlich: "Im Namen des Vorstandes kann ich mich bei Mitarbeitern und Kunden für einen derartigen Verstoß gegen die Werte des Unternehmens nur entschuldigen." Die Revision stellte in ihrem Bericht zu "Jamaika I" fest: "Die von Herrn M. geleitete Geschäftsstelle in Frankfurt hat in den Jahren 2009 und 2011 jeweils Wettbewerbsreisen nach Jamaika in das 'Swinger-Hotel' Hedonism II (www.hedonism-resorts.de) durchgeführt."

Frankfurter Ergo-Mitarbeiter seien zwei Mal auf die Insel gereist – Juni 2009 (sieben Teilnehmer) und Januar 2011 (zehn Teilnehmer). Beide Ausflüge dauerten demnach jeweils eine Woche. Kosten: 29.344 Euro. 2010 wurde es teurer: Für 22 Teilnehmer wurden 75.120,16 Euro fällig. "Alles wurde ordentlich beantragt und genehmigt", schreibt Iwersen. "2010 wurde die Reise in den Swinger-Club am selben Tag genehmigt, an dem sie beantragt worden war." Auf die Frage, warum die Wahl auf das fragliche Hotel gefallen sei, habe der Hamburger Geschäftsstellenleiter gesagt: "Nostalgie."

Gemutmaßt werden kann, dass es sich nur um die Spitze des Eisbergs handelt. Iwersen spricht von einer "dramatischen Kluft zwischen der Selbstdarstellung der Branche und der Wirklichkeit". Zu stern.de sagte er: "Langjährige Vertriebsprofis verstehen weder die Aufregung, die über die Lust-Reisen herrscht, noch die Versuche von Ergo, Budapest als Einzelfall hinzustellen." Vertriebsmitarbeiter sprächen von einer "üblichen Praxis seit Jahrzehnten". Iwersen: "Und sie berichten von gleichen Anreizsystemen in anderen Konzernen und in anderen Branchen."

Thomas Schmoll
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.