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Sexskandal bei der Hamburg-Mannheimer: Live-Porno für Herrn Kaiser

Es sollte eine unvergessliche Reise werden: Die Hamburg-Mannheimer hat 2007 ihre besten Versicherungsvertreter zu einer Sexorgie nach Budapest eingeladen - auch Vorstände waren dabei.

Von Niels Kruse

Die Damen trugen rote und gelbe Bändchen am Handgelenk. Es gab auch einige wenige mit weißen Stoffstreifen, doch die waren den Vorständen vorbehalten - sowie den Besten der Besten, den so genannten Top-Five. Die Aufgabe der zahlreichen Frauen an diesem geselligen Abend in der Budapester Gellert-Therme bestand nicht darin, den Herrn Versicherungsvertretern der Hamburg-Mannheimer die Drinks an den Pool zu bringen. "Allen Beteiligten war klar, dass es sich um Prostituierte handelte", sagte einer der Gäste dem "Handelsblatt".

Die Reise nach Budapest für die 100 erfolgreichsten Vertreter der altehrwürdigen Versicherung im Jahr 2007 war offenbar ein besonders unvergessliches Incentive. Eines jener Geschenke, mit denen Arbeitgeber ihre Angestellten motivieren und belohnen. Die Lustreise fand sich laut "Handelsblatt" auch in der Mitarbeiterzeitschrift wieder. Verklausuliert und um den heißen Brei herum, hieß es damals in "Profil": "Sachen gibt's, die gibt's gar nicht. Oder aber sie sind so sagenhaft und unbeschreiblich, dass es sie beinahe gar nicht geben dürfte".

Dürfte es tatsächlich nicht, denn der schlüpfrige Ausflug in die ungarische Hauptstadt war bereits Thema im April bei der Hauptversammlung des Mutterkonzerns Munich Re, zu dem die Hamburg-Mannheimer über die Ergo-Gruppe gehört. Doch sowohl die Frage eines Aktionärs als auch die Antwort von Vorstand Nikolaus von Bomhard waren laut eines Ergo-Sprechers eher unpräzise, so dass sich zunächst niemand weiter für das Thema interessierte. Da sei wohl etwas schiefgelaufen, sagte der Konzernchef nur.

Abendveranstaltung mit etwa 20 Prostituierten

Das Unternehmen hat nun bestätigt, dass die Party stattgefunden hat. "Es ist richtig, dass es im Juni 2007 eine Incentive-Reise des Vertriebs nach Budapest gegeben hat", sagte eine Ergo-Sprecherin. Bei einer "Abendveranstaltung im Rahmen dieser Reise" seien etwa 20 Prostituierte dabei gewesen. Das "Handelsblatt" dagegen schreibt, über die genaue Zahl der Damen gebe es unterschiedliche Angaben, einige Gäste wollen bis zu 100 gezählt haben. Die farbigen Bändchen an den Handgelenken hätten zur Unterscheidung zwischen Hostessen und Prostituierten gedient.

Die ganze Orgie schien gut organisiert gewesen zu sein: Alkohol gab es reichlich und zudem habe es mit Tüchern verhängte Himmelbetten gegeben, auf die sich die Gäste mit den Damen hätten zurückziehen können. Nach jedem solchen Treffen hätten die Frauen einen Stempel auf ihren Unterarm erhalten. "So wurde festgehalten, welche Dame wie oft frequentiert wurde", sagte einer der Teilnehmer. Dazu soll es auch Live-Pornos gegeben haben. Zwischen den Heilquellen sei zufolge eine Bühne aufgebaut gewesen, sagten Augenzeugen dem "Handelsblatt", "auf der sich zwei professionelle Damen und ein als Pascha auftretender Herr gegenseitig befriedigten", wie die Wirtschaftszeitung schreibt. Bei Ergo allerdings hieß es, von "öffentlichen Sexdarbietungen" sei dem Konzern nichts bekannt.

Kameras und Handys mussten abgegeben werden

Dass diese Sexparty eine heikle Angelegenheit ist, vor allem wenn Details an die Öffentlichkeit dringen sollten, war den Veranstaltern offenbar klar. Die Teilnehmer mussten am Eingang zur Therme ihre Kameras und Handys abgeben. "Ich und die anderen wurden durchsucht wie bei einer Sicherheitskontrolle am Flughafen", sagte einer der Anwesenden dem "Handelsblatt". Ein Ergo-Sprecher sagte, die Veranstaltung stelle einen gravierenden Verstoß gegen geltende Richtlinien des Unternehmens dar. Zudem, so der Sprecher zu stern.de, "sind die verantwortlichen Führungskräfte und das verantwortliche Vorstandsmitglied nicht mehr für uns tätig." Allerdings seien sie schon aus dem Unternehmen ausgeschieden, bevor die pikante Reise bekannt wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Großunternehmen seine Mitarbeiter zu solch ausschweifenden Feiern einlädt. Vor einigen Jahren machte ein Sexskandal bei VW Schlagzeilen. 2005 wurde bekannt, dass der Vorstand des Autobauers Betriebsratsmitglieder mit Geld und Prostituierten bestochen hatte, um die Arbeitnehmervertreter milde zu stimmen.

Reise war geldwerter Vorteil von 3000 Euro

Für den Mutterkonzern Ergo kommt dieses Massen-tête-à-tête auch zeitlich unpassend ans Tageslicht. Seit einiger Zeit versucht das Unternehmen mit einer großangelegten Marketingoffensive das miese Image von Versicherungen aufzupolieren. Im Mittelpunkt dabei der "Ergo-Boy" aus der dauerpräsenten TV-Werbung. Als etwas modernerer Nachfolger des biederen Herrn Kaiser, der Werbefigur der Hamburg-Mannheimer aus den 70er Jahren. Den echten Kaisers dürfte die Reise auch aus einem anderen Grund unvergesslich sein: Die Teilnehmer der Orgie mussten die Reise laut "Handelsblatt" als geldwerten Vorteil in Höhe von 3000 Euro dem Finanzamt melden.