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Siemens: Ex-Finanzchef im Visier der Ermittler

Gegen den Ex-Siemens-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger wurden weitere Ermittlungen eingeleitet. Gegen ihn wird in München wegen schwarzen Konten ermittelt. Seine Wohnung wurde ebenfalls durchsucht.

Im Zuge der millionenschweren Schmiergeldaffären bei Siemens ist der frühere Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger Justizkreisen zufolge erneut ins Visier der Staatsanwälte geraten. Gegen den Manager werde in Nürnberg im Zusammenhang mit fragwürdigen Zahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB ermittelt, sagte eine mit den Untersuchungen vertraute Person. Dies hatten zuvor Süddeutsche Zeitung und Handelsblatt berichtet. Den Kreisen zufolge wurde Neubürgers Privatwohnung in München vergangene Woche durchsucht. Gegen den 54-Jährigen, der für den US-Finanzinvestor KKR arbeitet, wird auch in München ermittelt - wegen Bildung schwarzer Kassen.

Neubürger wollte sich nicht zu dem zweiten Verfahren äußern. Sein Anwalt Eberhard Wahle bestätigte der SZ zufolge die neuen Ermittlungen und die Durchsuchungen. Eine weiter gehende Stellungnahme lehnte er ab. Auch Siemens wollte sich nicht äußern.

Untersuchungen gegen ihn in Nürnberg und München

Der Verdacht der Nürnberger Staatsanwaltschaft lautet auf Untreue, wie es in den Kreisen weiter hieß. Als Finanzvorstand habe Neubürger Kenntnis von den Zahlungen an die AUB gehabt. Die Aufklärung werde "noch erhebliche Zeit in Anspruch nehmen".

Der frühere AUB-Chef Wilhelm Schelsky, der seit Februar in Untersuchungshaft sitzt, hatte öffentlich eingeräumt, von Siemens Millionensummen an Schmiergeld bekommen zu haben, um seine Organisation als management-freundliche Arbeitnehmervertretung in Konkurrenz zur IG Metall aufzubauen.

Neubürger ist der einzige Siemens-Vorstand, von dem bekannt ist, dass sowohl in Nürnberg als auch in München Untersuchungen gegen ihn laufen. Zwischen den beiden Ermittlungsverfahren gibt es bisher keinen Zusammenhang. Die Staatsanwaltschaft München führt Neubürger seit Januar dieses Jahres als Beschuldigten. Im Dezember hatte er Vorwürfe zurückgewiesen, er habe von dem System der schwarzen Kassen gewusst.

Schwarze Kassen über rund 200 Millionen Euro

Im Frühjahr 2006 hatte der bei Analysten und Investoren hoch geschätzte Finanzvorstand überraschend seinen Rückzug von angekündigt und persönliche Gründe angegeben. Der gelernte Investmentbanker, der ab 1989 bei Siemens arbeitete, war unter dem früheren Konzernchef Heinrich von Pierer jahrelang Finanzchef und galt zeitweise als dessen möglicher Nachfolger.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen schwarzer Kassen über rund 200 Millionen Euro. Siemens hatte zunächst 420 Millionen Euro auf den Prüfstand gestellt und nach Ausdehnung der internen Untersuchungen von der ehemaligen Kommunikationssparte Com auf weitere Bereiche von weit höheren fragwürdigen Geldströmen gesprochen.

Mit Neubürger werden von der Münchner Staatsanwaltschaft rund ein Dutzend Personen als Beschuldigte geführt. Mit ersten Anklagen wird im Herbst gerechnet. "Möglicherweise werden noch in diesem Jahr erste Ermittlungsverfahren abgeschlossen", sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler.

Reuters / Reuters