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Skandal bei Edeka-Zulieferer: Tierschützer kritisieren Ekel-Zustände im Schweinestall

Verwesende Kadavar, verletzte Tiere, bedrückende Enge: Die Tierschutzorganisation "Animal Equality" hat die grausamen Zustände auf einem Zuliefererhof der Edeka-Marke "Gutfleisch" gefilmt.

Dunkle Boxen, drangvolle Enge, tote und lebende Tiere dicht aneinander gedrängt: Tierschützer finden in Schweineställen von Tierschützern schlimmste Zustände vor

Dunkle Boxen, drangvolle Enge, tote und lebende Tiere dicht aneinander gedrängt: Tierschützer finden in Schweineställen von Tierschützern schlimmste Zustände vor

In der Box liegen tote Schweine, direkt daneben stehen lebende Tieren am Futternapf. Einige haben schon angekaute Ohren, ein verwesender Kadaver befindet sich fast im Trog. Tierschützer haben diese grauenhaften Szenen gefilmt. Zweimal haben sie einen Stall in Baden-Württemberg aufgesucht. Die Zustände waren immer gleich: Tod und Leben in einer engen Box für 25 Tiere, ein Großteil von ihnen hat offene Wunden. Tiere urinieren in ihr Futter oder fressen tote Artgenossen. Die, die überleben, werden geschlachtet – und landen auf unseren Tellern, als Wurst, Schnitzel oder Schinkenspeck.

Erst kürzlich hatte der "NDR" über ähnliche Zustände auf Höfen in Norddeutschland berichtet, die Fleisch für die Edeka-Marke Gutfleisch liefern. Die Tierschutzorganisation "Animal Equality" hatte heimlich in Betrieben gefilmt - und inzwischen auch Anzeige gegen die Höfe gestellt. Die Filmaufnahmen zeigen schreiende und verletzte Tiere, die teilweise kaum noch stehen konnten.

Verschwiegene Fleischindustrie

Nun greift auch die "Zeit" das Thema auf, denn anscheinend sind die Höfe im Norden kein Einzelfall. Die Videos, die die Tierschützer drehten, zeigen das Elend der Tiere auf einem süddeutschen Hof, der ebenfalls Edeka beliefert. Erstaunlich dabei: Edeka legt Wert darauf, nicht als Billiganbieter zu gelten und grenzt sich bewusst von den Angeboten der Discounter ab. Nun zeigen die Filmaufnahmen der Tierschützer ein anderes Bild.

Die in Deutschland ist schweigsam. Die Werbefilme und Packungsaufdrucke suggerieren eine friedvolle Landwirtschaftsidylle. Dass ein Großteil von Deutschlands Fleischbedarf nicht so produziert werden kann, ist logisch. Und auch die Fleischskandale der vergangenen Jahre sind ein Indikator für zweifelhafte Herstellungsmethoden. Doch der Hunger auf Fleisch ist groß – rund 50 Kilogramm Schweinefleisch essen die Deutschen jährlich. Und um sich den Appetit auf Schnitzel und Bierschinken nicht verderben zu lassen, schließt der Kunde die Augen.

Der reine Horror: Das Team von Animal Equality traf bei Recherchen vor Ort auf unfassbare Zustände für die Tiere

Der reine Horror: Das Team von Animal Equality traf bei Recherchen vor Ort auf unfassbare Zustände für die Tiere

Skandal trotz Kontrolle

Die Tierschützer haben von Nord- bis Süddeutschland Höfe überprüft und dabei gefilmt. Die Zustände unterscheiden sich kaum, so "Animal Equality". Allein für die Marke "Gutfleisch" halten 550 Landwirte Schweine. Allerdings: Edeka bemüht sich um besonders hohe Kontrollstandards. Neben der staatlich vorgeschrieben Prüfung durch Veterinäre, checkt auch der TÜV, sowie Fachberater der Erzeugergemeinschaft und Edeka-Tierschutzbeauftragte jeden der Lieferbetriebe. Neben der Einhaltung der sogenannten Qualitäts- und Sicherheitsstandards, die das QS-Prüfzeichen tragen, hat die Marke Gutfleisch noch eigene Kontrollrichtlinien. Edeka Nord hat nach der "NDR"-Veröffentlichung eine interne Prüfung eingeleitet und will alle teilnehmenden Höfe abermals "verschärft kontrollieren", schreibt das Unternehmen.

Auch in Süddeutschland hat Edeka reagiert: Das unternehmen stoppte die Lieferungen von dem besagten Hof und ließ die Ställe kontrollieren. Die engen Boxen seien zwar ein "Fehler im Stallmanagement", räumt die Handelskette ein, wie die "Zeit" berichtet. Ansonsten seien aber "keine Auffälligkeiten" festgestellt worden. Die Tierschützer bestreiten allerdings, dass die gesunden Tiere von den kranken getrennt wurden. Der Landwirt sei für die Zeitung nicht erreichbar gewesen, schreibt die Zeit.

Katharina Grimm