Sommerschlussverkauf Wandfarbe zum Sommerspezialpreis


Eigentlich wurde der Sommerschlussverkauf schon vor Jahren abgeschafft, doch der Handel will nicht drauf verzichten. Neben der Textilbranche haben auch Baumärkte und Lebensmittelhändler den Preisnachlass zum Saisonende für sich entdeckt.

Obwohl es den traditionellen Sommerschlussverkauf seit drei Jahren offiziell nicht mehr gibt, ist er präsenter denn je. Längst haben Baumarktketten, Elektronikmärkte und selbst Lebensmittelhändler das Phänomen Schlussverkauf für sich entdeckt und bieten Wandfarbe, Toaster und Waschmittel zum Sommerspezialpreis an. Der Termin Ende Juli sei bei den Kunden eingebrannt, sagen die Einzelhändler. Die Assoziationen mit dem Begriff Sommerschlussverkauf - kurz SSV - wollen sich viele zu Nutze machen. Während bis 2004 nur die Textil- und Bekleidungsgeschäfte den Schlussverkauf anboten, beteiligen sich in diesem Sommer bundesweit rund Zweidrittel aller Händler, wie der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) schätzt.

"Kaum ein Händler kann der Verlockung widerstehen, das Zauberwort Sommerschlussverkauf zu benutzen", sagt HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. Discounter bieten in diesen Tagen sogar Äpfel, Bonbons oder Tütensuppen zum "SSV"-Preis an. Auch Baumarktketten wie Praktiker und Obi werben mit dem Schlagwort. Die einen verkaufen ihr Sommersortiment zu Spezialpreisen - von Markisen über Campingmöbel bis zur Grillausstattung. Die anderen setzen auch auf weniger klassische Sommerartikel: Egal ob Hochdruckreiniger, Leitern oder Innenputz - die drei Buchstaben SSV locken die Kunden. Es sei bei den Verbrauchern eben ein eingeführter Begriff, meint Praktiker-Sprecher Harald Günter. Darauf setzt auch Obi, wie Deutschland-Chef Wolfram Stroese sagt.

Die Herbstware braucht Platz

Was vielen Supermärkten und Baumärkten beim Kundenfang gelegen kommt, bleibt vor allem für Bekleidungshändler ein Muss. "Der Sommerschlussverkauf ist für uns unerlässlich, um die Lager zu leeren", sagt Stefan Glieden, Geschäftsführer bei Galeria Kaufhof am Berliner Ostbahnhof. Die Modehäuser müssen aber ihre Sommerkollektionen verkaufen, um Platz für die Herbstware zu schaffen. Bislang ist die Saison der Branche zufolge analog zum Wetter "wechselhaft" verlaufen. Wie einige andere Händler hat Galeria Kaufhof bereits am vergangene Woche bundesweit mit dem Sommerschlussverkauf begonnen. Der große Schwung der Geschäfte steigt laut HDE am traditionellen Starttermin ein, dem letzten Montag im Juli. Glieden ist zufrieden. In der ersten Woche seien 40 Prozent mehr Kunden in seine Filiale gekommen als in einer normalen Woche, erzählt er. Für einen Schlussverkauf sei das sehr zufriedenstellend. Die Zeit der großen Anstürme sei trotzdem vorbei.

Rabatte bis zu 70 Prozent

Dass schon vor Ladenöffnung ein paar hundert Kunden vor der Tür stehen, das gebe es nicht mehr, meint auch Karstadt-Sprecher Elmar Kratz. Seit 2004 dürfen die Händler das ganze Jahr über große Rabattaktionen machen - nicht mehr nur am Ende der Sommer- und Wintersaison und auch nicht mehr nur für Kleidung, Textilien und Lederartikel. Darauf hätten sich die Kunden bereits eingestellt, sagt Kratz. Auch Karstadt hat bereits vor Tagen den Rotstift angesetzt. "Das Kundeninteresse ist gut - vor allem bei hochsommerlichen Artikeln, aber es macht eben auch vor Haushaltswaren und Elektronik nicht Halt", sagt Kratz. Der Großteil der Reduzierungen liegt laut HDE in diesem Jahr zwischen 20 und 50 Prozent. Höhere Rabatte seien die Ausnahme - und "unseriös", wie Pellengahr meint. "Die Spannen, die Händler haben, sind nicht so groß, wie sich viele vorstellen", sagt er. Einige Geschäfte scheuen dennoch vor Rabatten von bis zu 70 Prozent nicht zurück.

Christiane Jacke/DDP DDP

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