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50 Jahre Stiftung Warentest Von Bügelföhns bis zu Brustimplantaten


Seit einem halben Jahrhundert prüft die Stiftung Warentest alles, was sie in die Finger bekommt: Bügelföhns, Reizgaspistolen oder Brust-OPs. Nur an Ritter Sport verschluckten sich die Profitester.
Von Daniel Bakir

Stiftung Warentest ist die deutsche Institution schlechthin. Vom Bundestag per Beschluss am 4. Dezember 1964 ins Leben gerufen, begleitet sie die deutschen Konsumenten nun schon seit einem halben Jahrhundert. Mit tadelloser Reputation, mit Unbestechlichkeit - und mit erhobenem Zeigefinger.

Auf die Urteile der Tester ist Verlass, wenn auch die Kriterien manchmal auf sehr eigenwillige Weise gesetzt werden. So haben Produkte, die keine ordentliche Gebrauchsanweisung mitliefern, von vorneherein schlechte Karten, ganz egal wie toll sie sonst auch sein mögen.

Das war schon 1977 so, als eine Neuheit namens Skateboard zur unberechenbaren Gefahr erklärt wurde. "Vom Rollbrett in den Rollstuhl" hieß der Artikel damals. Kleiner Auszug: "So fehlt oft der Hinweis, dass stets und unter allen Umständen nach vorn abgestiegen werden muss. Das Absteigen nach hinten führt oft zu Stürzen und Verletzungen. Außerdem erhält das Skateboard bei rückwärtigem Abstieg eine zusätzliche Beschleunigung nach vorn, die es geschossartig durchs Gelände rasen lässt. Dabei können leicht Unbeteiligte verletzt werden."

Andererseits hat uns die Stiftung Warentest mit ihrer beschützenden Art über all die Jahre auch vor allerlei Gefahren bewahrt. Kinderkochherde, die Feuer fangen oder 90 Minuten brauchen, um zehn Gramm Nudeln zu erhitzen, fanden in den Augen der Warentester 1978 völlig zu Recht keine Gnade. In den Achtzigern nahmen die Tester die verkannte Innovation des Bügelföhns (Föhn mit Bügelaufsatz) unter die Lupe. Und in den Neunzigern bekamen Ärzte, die miese Beratungsgespräche für Brustimplantate führten, ihr Fett weg.

Im Kampf für den kleinen Konsumenten schreckte die Stiftung nie davor zurück, sich mit der mächtigen Industrie anzulegen - notfalls auch vor Gericht. Zahlreiche Prozesse haben die Warentester in den vergangenen Jahren erfolgreich durchgestanden. Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr zogen sie im Rechtsstreit mit Ritter Sport den Kürzeren. Weil der Schokohersteller angeblich fälschlicherweise mit "natürlichem Aroma" warb, verpassten die Tester Ritter Sport ein "mangelhaft". Nach verlorenem Rechtsstreit dürfen die Warentester diesen Vorwurf nun nicht mehr erheben.

In den besten Zeiten erreichte das Hauptheft "Test" fast eine Millionen Auflage. Heute verkauft sich die Monatszeitschrift noch 430.000 Mal. Der Ableger "Finanztest" kommt auf 220.000 Exemplare. Darüberhinaus gibt es mittlerweile ein breites Onlineangebot: Mit Schnelltests und regelmäßig aktualisierten Produktfindern für Dauerbrenner wie Matratzen, Waschmaschinen oder Fernseher. So erhält die Stiftung Warentest auch im Zeitalter der Online-Kundenrezensionen ihre Daseinsberechtigung.


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