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Strafe für Bayer-Konzern: Gierige Apotheker

Das Bundeskartellamt hat erstmals die illegale Preisabsprache zwischen Pharmaherstellern und Apothekern geahndet und dem Aspirin-Hersteller Bayer eine Millionen-Geldbuße aufgedrückt. Doch vieles spricht dafür, dass Bayer nur macht, was auch viele andere machen. Bayer ist nicht schlimmer - nur dümmer.

Ein Kommentar von Markus Grill

Haben Sie schon mal Aspirin in den Niederlanden gekauft? Wenn Sie dort in eine Apotheke gehen und eine 20er-Packung kaufen (dieselbe Wirkstoffmenge, derselber Hersteller: Bayer), kostest die nur 3,45 Euro.

Wenn Sie einmal über die Grenze gehen und die gleiche Packung in Deutschland kaufen, kostet diese knapp fünf Euro. Woran das liegt? Ausnahmsweise mal nicht an Ulla Schmidt und ihrer Gesundheitsbürokratie, sondern an einer scheinheiligen Allianz deutscher Apotheker und Pharmahersteller. Denn die Konzerne verlangen hierzulande einfach höhere Preise als anderswo. Und die Apotheker gerieren sich immer noch so, als gäbe es keine Marktwirtschaft und verlangen die "unverbindliche Preisempfehlung" der Hersteller.

Bayer versprach Zusatzrabatte

Das Bundeskartellamt hat jetzt erstmals die illegale Preisabsprache zwischen Pharmaherstellern und Apothekern geahndet und dem Aspirin-Hersteller Bayer eine Geldbuße in Höhe von über 10 Millionen Euro aufgedrückt. Bayer hatte den Apothekern einen Zusatzrabatt versprochen, wenn diese den Preis für Aspirin und andere Bayer-Medikamente künstlich hoch halten.

Bestrafen müsste das Kartellamt eigentlich auch jeden zweiten Apotheker in Deutschland. Denn mehr als 11.000 Apotheker haben sich auf die illegale Preisabsprache mit dem Bayer-Konzern eingelassen. Lediglich die gigantische Menge von 11.000 Verfahren und die geringe Schwere des einzelnen Vorwurfs haben das Kartellamt von dieser Strafverfolgung abgehalten. Sich zu schämen, bleibt den Apothekern aber freigestellt.

An der E-Mail lag's

Ist jetzt wieder alles gut, nachdem der Bayer-Konzern bestraft wurde? Von wegen! Denn es spricht viel dafür, dass Bayer nur macht, was auch viele andere machen. Bayer ist nicht schlimmer - nur dümmer. Weil ein Manager die illegale Preisabsprache in einer E-Mail notiert hatte, diese E-Mail an den stern gelangt und der Fall damit aufgeflogen ist.

Wie wenig Wettbewerb aber landauf, landab im Apothekenmarkt herrscht, sieht man an dem, was Testkäufer der Verbraucherzentrale beim Besuch von 343 Apotheken herausgefunden hatten: Demnach kosteten zum Beispiel in 93 Prozent der Apotheken die Augentropfen "Cromo ratiopharm" exakt 4,92 Euro. 95 Prozent der Apotheken verkauften das Schmerzmittel Dolormin für exakt 7,85 Euro. Und für die Kombipackung Vividrin Augentropfen und Nasenspray verlangten 97 Prozent aller Apotheken die "unverbindliche Preisempfehlung" von exakt 10,95 Euro.

Die Apothekenlobby ist geübt darin, jede Änderung im Gesundheitswesen mit scharfen Worten zu brandmarken. Heute wird man vermutlich nichts von ihr hören.