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Großbritannien: Die Tricks der Straftzettel-Industrie: Wenn der Parkplatz über Nacht kostenpflichtig wird

In Großbritannien haben private Parkplatzvermieter ein einträgliches Geschäftsmodell entwickelt: Sie verdienen weniger am Parkticket selbst, sondern vor allem an Strafen, die sie aus zweifelhaften Gründen gegen unvorsichtige Autofahrer verhängen.

In Großbritannien erwarten manche Parkplatznutzer in jüngster Zeit unangenehme Überraschungen (Symbolbild)

In Großbritannien erwarten manche Parkplatznutzer in jüngster Zeit unangenehme Überraschungen (Symbolbild)

Getty Images

Elizabeth Thomson kann sich noch gut an die Nacht erinnern, in der ihre Straße sich in einen Privatparkplatz verwandelte. Sie war ein paar Tage weggewesen und kam an einem Sonntag spät mit dem Auto nach Hause zurück. Es war dunkel und es regnete "und ich parkte da, wo ich die letzten zehn Jahre geparkt habe", berichtet sie dem "Guardian". Als sie am nächsten Morgen aufwachte, hatte man ihr bereits ein Strafticket über 60 Pfund (etwa 69 Euro) verpasst.

Im Tageslicht konnte sie nun auch die Schilder sehen, die davor warnten, dass die Parkplätze in diesem Straßenabschnitt fortan kostenpflichtig seien. Die Schilder waren Freitagabend aufgestellt worden und hatten auch den Rest der Nachbarschaft am Vortag überrascht. "Die meisten meiner Nachbarn waren aufgebracht, weil sie die Geldstrafe am Samstagmorgen erhalten hatten", erzählt Thomson.

Ein privater Parkplatzvermieter hatte die Parkplätze in der Straße in Aldershot, Hampshire, erworben und verlangte nun von den Anwohnern 2,50 Pfund für ein Wochenticket. Zum Start wollte die Firma offenbar erstmal alle Autobesitzer abkassieren, die davon nichts mitbekommen hatten. Den unscheinbaren Brief, in dem über die Änderung informiert wurde, hatten viele Anwohner wohl gleich mit der Werbung ungelesen entsorgt. Zudem verriet das Schreiben nicht, ab wann das Parken kosten werde. Eine angemessene Frist, um sich die Parkerlaubnis zu besorgen, gab es auch nicht.

Gutgläubige Parker werden ausgetrickst

Der Ärger in Aldershot steht stellvertretend für eine Industrie von Parkplatzvermietern, die in Großbritannien ein zweifelhaftes Geschäftsmodell etabliert haben. Statt an den vergleichsweise mickrigen Parkgebühren verdienen sie vor allem an hohen Strafzahlungen, die sie Autofahrern für Verstöße gegen die Parkbedingungen aufbrummen. Richtige Knöllchen dürfen die Firmen zwar nicht vergeben, wohl aber Strafzahlungen bei Verstößen gegen die Parkbedingungen verlangen. Doch manche Firmen missbrauchen die gesetzlich zugelassene Sanktionierungsmöglichkeit, um schon bei kleinen Verstößen teilweise dreistellige Summen zu verlangen, berichtet der "Guardian". Und viele davon sind offenbar bewusst provoziert.

So gibt es Fälle, in denen Autofahrer Strafe zahlen mussten, weil sie den Buchstaben O mit der Ziffer 0 verwechselten, als der Parkautomat sie aufforderte, das Nummernschild einzugeben. Andere Autofahrer wurden juristisch belangt, weil sie am Automaten die Parkdauer anhand der Zeitmarke ihres Parkscheins eingegeben hatten. Da danach aber noch das Parkhaus verlassen werden musste, stimmte diese nicht exakt mit der Zeit überein, die die Kameras am Ausgang registrierten.

Auch Fälle wie den in Aldershot gibt es viele: Wohnungsbauunternehmen verkaufen Garagen und Parkplätze an private Firmen, die als neue Grundbesitzer ein System von Gebühren und Strafen einführen. In Aldershot ließ sich die Investmentfirma, die die Parkplätze erworben hatte, sogar noch eine weitere Gemeinheit einfallen: Sie bebaute die Flächen mit Pollern, sodass manche Anwohner nicht mehr bis zu ihrem Haus durchfahren können. Wer den kostenpflichtigen Parkplatz nicht nutzen will, muss nun mehrere Gehminuten entfernt parken.

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bak