Streit um Nachzahlung Apotheker geben klein bei


Satte 390 Millionen Euro Nachzahlung wollten die Apotheker den Kassen abknöpfen. Nach öffentlicher Empörung und politischem Druck geben sie sich nun mit 40 Millionen Euro zufrieden - "Peanuts", würde der Banker sagen.

Der Streit zwischen Apothekern und Krankenkassen ist beigelegt: Überraschend verzichteten die Apotheker heute bei einem Treffen mit den Spitzenverbänden der Kassen und Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt in Berlin auf eine Nachzahlung von 390 Millionen Euro. Dieser Betrag stand ihnen laut Gesundheitsmodernisierungsgesetz zu, weil sie im vergangenen Jahr nicht mehr so viele rezeptpflichtige Medikamente verkaufen konnten wie 2002. Die Kassen hatten sich verpflichtet, eventuelle Einkommensverluste auszugleichen.

Diese Einkommensverluste konnten die Apotheker jedoch kompensieren, weil sie gleichzeitig wesentlich mehr nicht-rezeptpflichtigen Medikamente verkauften - dadurch stieg ihr durchschnittliches Gesamteinkommen sogar. Die Forderung nach einer horrenden Nachzahlung war deshalb offenkundig politisch nicht durchsetzbar.

Keine Auswirkungen auf Beiträge

Die Versicherten profitieren von dem Verzicht der Apotheker zumindest indirekt: Hätten die Kassen 390 Millionen überweisen müssen, hätten sie vermutlich "die Beiträge angepasst", wie es im Amtsdeutsch heißt, oder zumindest nicht so schnell gesenkt wie geplant. Auf die Medikamentenpreise und die Gesamtaufwendungen der Kassen für Arzeneien hat der Ausgang des Streits keine Auswirkung.

Dafür, dass die Apotheker auf die Nachforderung verzichteten, bekamen sie ein kleines finanzielles Bonbon: Im zweiten Halbjahr 2005 müssen sie den Kassen nur noch 1,85 Euro und nicht - wie bisher - zwei Euro Rabatt auf verschreibungspflichtige Medikamente einräumen. Das spült den Apotheken zusätzlich zirka 40 Millionen Euro in die Computerkassen. 2006 gilt dann wieder die alte Rabattregelung.

"Steht halt im Gesetz"

Das Verfahren, nach dem Apotheker mit den Kassen abrechnen, ist beinahe kurios: Sie müssen vom offiziellen Listenpreis einen "Herstellerabschlag" abziehen, den sie sich aber von Großhändlern und Unternehmen wieder zurückholen können - unklar ist allerdings, wer in dieser Kette auf welche Art die Umsatzsteuer verrechnen kann. Dieses Problem soll nun gesetzlich gelöst werden, auch das haben die Spitzenverbände am Freitag in Berlin ausgehandelt.

Für jedes verkaufte rezeptpflichtige Medikament, das über die Gesetzliche Krankenversicherung abgerechnet wird, erhalten die Apotheken eine Honorarpauschale von 8,10 - von der sie den Kassen aber wiederum zwei Euro Rabatt einräumen müssen. Die Frage, warum die Pauschale dann nicht gleich auf 6,10 Euro gesenkt wird, beantwortete eine Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen lapidar mit: "Es steht halt so im Gesetz."

81.000 Euro Gewinn vor Steuern

Die Gesamtausgaben für Medikamente lagen für die Gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr bei 21,83 Milliarden Euro - die zusätzlichen Ausgaben von 40 Millionen Euro für den jetzt ausgehandelten Kompromiss mit den Apothekern fallen in diesem Rahmen kaum ins Gewicht.

Die Zahl der Apotheken ist zwischen 2003 und 2004 praktisch gleich geblieben (- 13) und liegt bei rund 20.000. Das durchschnittliche Einkommen pro Apotheke verbesserte sich im vergangenen Jahr um 3000 Euro auf 81.000 Euro vor Steuern.

lk mit Material von DPA/Reuters/AP AP Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker