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Studie zu Maut-Plänen Kaum Ausländer auf Deutschlands Autobahnen


Um die Straßen in Deutschland zu sanieren, sollen Ausländer durch die Maut die Kasse füllen. Doch nur sechs Prozent der gefahrenen Kilometer in Deutschland gehen auf das Konto ausländischer Autos.
Katharina Grimm

Deutschlands Straßen sind in einem erbärmlichen Zustand: Brücken bröckeln, der Asphalt platzt und Spurrillen durchfurchen die Fahrbahnen der Autobahnen quer durchs Land. Das Problem ist altbekannt: es fehlt einfach das nötige Geld, um die Straßen zu sanieren. Experten bemängeln, dass in Deutschland eine Investitionslücke von drei Milliarden Euro im Jahr klafft.

Das will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mit seinen Maut-Plänen ändern. Bis zu 600 Millionen Euro erwartet der CSU-Politiker mit dieser Abgabe – und ausländische Autofahrer sollen die Vignette zahlen. Denn deutsche PKW-Halter sollen über eine reduzierte KFZ-Steuer entlastet werden. Nun zeigt eine Untersuchung: So viele Ausländer sind zumindest auf deutschen Autobahnen gar nicht unterwegs.

Zu diesem Ergebnis kommt der Verkehrsclub Österreich (VCÖ), der für eine Analyse Daten der deutschen Bundesanstalt für Straßenwesen untersucht hat. Lediglich sechs Prozent aller gefahren Autobahnkilometer entstehen durch ausländische Fahrzeuge. Der VCÖ-Experte Markus Ganster sagt: „Man wird die Kosten für den Straßenerhalt schwer finanzieren können, wenn nur sechs Prozent zur Kasse gebeten werden und 94 Prozent de facto nichts bezahlen, weil die PKW-Maut über eine niedrigere KFZ-Steuer wieder zurückgezahlt wird.“

Grenzgebiet stark betroffen

Auf Deutschlands Autobahnen legen Autos und der Lastverkehr durchschnittlich 220 Milliarden Kilometer zurück. Laut einer Erhebung der deutschen Bundesanstalt für Straßenwesen aus dem Jahr 2008 wurden rund 175 Milliarden Kilometer von PKW verursacht, 45 Milliarden Kilometer entstanden durch LKW. Der Verkehr hat inzwischen zugenommen, allerdings nur moderat: 2012 fuhren Autos insgesamt 222 Milliarden Kilometer über Deutschlands Autobahnen.

Als Grundlage für die Erhebung hat der VCÖ die Daten von 2008 aufgeschlüsselt: Von den 175 Milliarden Kilometern insgesamt fuhren Deutsche über 163 Milliarden Kilometer. Die größte Gruppe der ausländischen Autofahrer auf Deutschlands Autobahnen sind die Niederländer: Sie fahren jährlich über 3,2 Milliarden Kilometer. Dahinter folgen die Polen mit 1,9 Milliarden Kilometern und die Österreicher mit rund einer Milliarde Kilometern.

Allerdings: Vor allem in den Grenzgebieten ist der Anteil ausländischer Fahrer deutlich höher. So ermittelte der VCÖ, dass am kleinen deutschen Eck bei Schneizlreuth rund 70 Prozent der PKW aus Österreich stammen. Dennoch bleibt die Frage, inwieweit die gefahrenen Kilometer Rückschlüsse auf die Entrichtung der Maut haben. Denn Dobrindt will keine Vignette für gefahrene Autobahnkilometer, sondern eine Abgabe für alle deutschen Straßen, gestaffelt nach Öko-Klassen und Hubraum. Es soll Tagesvignetten für zehn Euro am Tag geben, einen Zwei-Monatspass für 20 Euro und eine Jahresabgabe, die sich nach Zulassung des Fahrzeugs, Motorart und Hubraum bemisst. Durchschnittlich erwartet das Verkehrsministerium einen durchschnittlichen Verkaufspreis von 88 Euro. Experten zufolge sind fixe Vignetten lukrativer als eine kilometerunabhängige Maut.

Dennoch ist es unsicher, ob die angepeilten 600 Millionen Euro Mehreinnahmen tatsächlich zusammenkommen. So hat das Verkehrsberatungsinstitut Schmid Mobility Solutions im Auftrag der FDP errechnet, dass höchstens 250 Millionen Euro eingenommen werden können.


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