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Tabaksteuer-Erhöhung: Paradies für Zigarettenschmuggler

Die jüngste Erhöhung der Tabaksteuer am 1. September hat die Zigarettenbranche in Deutschland endgültig in eine Absatzkrise gestürzt. Zwar raucht immer noch ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung - aber eben nicht gekaufte Fabrikzigaretten.

Der Verband der Cigarettenindustrie (VDC) in Berlin, der noch vor zwei Monaten noch mit einem Absatz von 100 Milliarden Stück Fabrikzigaretten in diesem Jahr rechnete, geht in seiner neuesten Schätzung nur noch von 93 Milliarden Stück aus. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor, doch scheint es sowohl im August als auch im September nochmals einen scharfen Rückgang beim Verkauf von Fabrikzigaretten gegeben zu haben.

Zwischen 1999 und 2002 kauften die Raucher in Deutschland Jahr für Jahr mehr als 140 Milliarden Fabrikzigaretten. Seitdem erhöhte der Fiskus fünf Mal die Steuern und schraubte den Staatsanteil am Zigarettenpreis auf knapp 80 Prozent. Folge: Der Zigarettenabsatz reduzierte sich um mehr als ein Drittel, weil der Staat die Steuerschraube überdrehte und die Raucher ihre Schmerzgrenze erreicht haben. Eine Schachtel der in Deutschland meistverkauften Zigarettenmarke "Marlboro" mit 17 Zigaretten kostet inzwischen 3,80 Euro, die einzelne Zigarette damit 22,35 Cent. Ein starker Raucher kann leicht 200 Euro im Monat für sein Laster ausgeben.

Wenn Sie rauchen: was genau?

Heftig umstritten ist die entscheidende Frage, ob die hohen Kosten tatsächlich die Verbraucher vom Rauchen abhalten. "7,5 Prozent der Raucher haben die Tabaksteuererhöhung vom 1. Dezember 2004 zum Anlass genommen, mit dem Rauchen aufzuhören", sagt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, unter Berufung auf eine Studie. Bei den 12- bis 17-Jährigen sei die Raucherquote seit 2001 von 28 auf 20 Prozent zurückgegangen - "ein gesundheitspolitischer Gewinn".

Ein Drittel der Erwachsenen raucht

Die Branche bestreitet das. Nach wie vor rauche ungefähr ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung, doch seien die Raucher auf preisgünstige Produkte ausgewichen, die niedriger besteuert werden. Dazu gehören vor allem so genannte Steckzigaretten oder Sticks, das ist vorportionierter Feinschnitt-Tabak, der in eine vorgefertigte Zigarettenhülle gestopft wird. Nach Angaben der "Tabak Zeitung" verdoppelte sich der Absatz in diesem Marktsegment in den ersten acht Monaten gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres auf 15,1 Milliarden Sticks.

Zudem steige die legale Einfuhr von Zigaretten aus dem Ausland, in Grenzregionen auf bis zu 60 Prozent. Auch der illegale Schmuggel floriere wie noch nie. "Deutschland ist auf dem besten Weg, das Schmuggelland Nummer eins in Europa zu werden", heißt es beim VDC.

Deutschlan bald Schmuggelland Nr. 1

Die Einnahmen des Fiskus aus der Tabaksteuer, die im vergangenen Jahr noch um 3,5 Prozent rückläufig waren, sind in den ersten acht Monaten dieses Jahres wieder um sechs Prozent gestiegen und erreichen 8,67 Milliarden Euro - die zweitstärkste Verbrauchssteuer nach der Mineralölsteuer. Die Erwartungen des Finanzministeriums werden damit allerdings nicht erfüllt - Hans Eichel hatte mit deutlich mehr Einnahmen gerechnet. Sowohl die Industrie als auch der Handel halten deshalb die Tabaksteuer-Politik der Bundesregierung für gescheitert.

Eckart Gienke/DPA / DPA