Bilanz 2025
"Fortschritte zu klein": Deutschland droht bei Klimaschutz zu scheitern

Klimaschutz ohne Kosten: Ein Tempolimit von 130 km/h auf den deutschen Autobahnen
Klimaschutz ohne Kosten: Ein Tempolimit von 130 km/h auf den deutschen Autobahnen würde nach Berechnungen des Umweltbundesamtes rund zwei Millionen Tonnen CO2 einsparen, etwa 2,4 Prozent des deutschen Verkehrssektors
© Frank Hoermann / Sven Simon / Picture Alliance
Zwar hielt Deutschland 2025 die Klimaziele knapp ein, für die Zukunft sieht es aber mau aus. Es gibt "dringenden" Handlungsbedarf – vor allem in zwei Bereichen.

Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind im vergangenen Jahr nur noch minimal gesunken. Der Ausstoß ging im Vergleich zum Vorjahr 2024 um lediglich 0,1 Prozent zurück: Dies geht aus der deutschen Klimabilanz 2025 hervor, die Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Samstag in Berlin vorstellte. Schneider sprach von einer "Stagnation in vielen Bereichen" und kritisierte: "Die Fortschritte sind insgesamt zu klein."

Klimaziele 2030 nur schwierig erreichbar

Für das Jahr 2030 und vor allem für die Zeit danach sind die Klimaziele demnach nur durch zusätzliche Anstrengungen erreichbar. Dazu soll ein neues Klimaschutzprogramm der Bundesregierung beitragen, das laut Minister Schneider am 25. März im Kabinett beschlossen werden soll.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Samstag in Berlin
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Samstag in Berlin
© Marten Ronneburg / KreativMedia Press / Imago Images

Bis 2030 will die Bundesregierung den Ausstoß an Treibhausgasen um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 verringern. Dieses Ziel sei "noch zu erreichen", sagte Dirk Messner, der Präsident des Umweltbundesamts (Uba). "Das geht, aber wir müssen uns anstrengen."

In Deutschland wurden laut Klimabilanz 2025 insgesamt 649 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen. Die Emissionen sanken damit um 0,9 Millionen Tonnen oder 0,1 Prozent im Vergleich zu 2024. Der Rückgang fiel damit noch geringer aus als nach vorläufigen Zahlen vom Januar angenommen. Das Jahresziel für 2025 von 661,6 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten wurde aber noch erreicht.

Erneuerbare Energien helfen der Bilanz

Der Rückgang wurde vor allem durch eine Emissionsminderung um allein 0,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Energiesektor erzielt, was das Uba vor allem auf die erneut gestiegene Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zurückführt.

In den Sektoren Verkehr und Gebäude stiegen die Emissionen im Vergleich zum Vorjahr an. Im Bereich Industrie gab es zwar einen leichten Rückgang, was aber laut Bericht "mit der aktuell schwachen Konjunktur" zusammenhängt. Positiv wurde vermerkt, dass Wälder wieder etwas mehr CO2 aufnahmen als abgaben.

"Die Projektionsdaten zeigen, dass das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 zu mindern, weiter erreichbar bleibt", hieß es weiter. Allerdings müssten dafür die Emissionen ab 2026 pro Jahr "im Schnitt um 42 Millionen Tonnen CO2- Äquivalente sinken", also um mehr als das Vierzigfache des im vergangenen Jahr erreichten Rückgangs.

Sorgenkinder Verkehr und Gebäude

"Besonders dringend" sei eine Reduzierung der Emissionen in den Bereichen Verkehr und Gebäude, um den teuren Ankauf von Emissionszertifikaten aus anderen EU-Mitgliedstaaten oder milliardenschwere Strafzahlungen möglichst zu vermeiden.

Vor allem Gebäude- und Verkehrssektoren verursachen zu viele klimaschädliche Emissionen
Vor allem Gebäude- und Verkehrssektoren verursachen zu viele klimaschädliche Emissionen
© Umweltbundesamt

"Der Blick auf das Jahr 2025 zeigt ein gemischtes Bild", erklärte Minister Schneider. "Bei den Emissionen waren die Fortschritte zu langsam", räumte er ein. Positiv wertete er "eine gestiegene Akzeptanz für Klimaschutztechnologien" wie Elektroautos und Wärmepumpen. "Und es gibt so viele neu genehmigte Windkraft-Projekte wie nie zuvor. Das macht Hoffnung, dass die Fortschritte in den nächsten Jahren wieder größer werden", fügte Schneider hinzu.

"Die Emissions- und Projektionsdaten zeigen, dass sich der Klimaschutz sektorübergreifend leicht verlangsamt", warnte Uba-Präsident Messner. "Wir wissen, was zu tun ist, um die nationalen Klimaziele noch zu erreichen und die Weichen dafür können Ende März mit dem Klimaschutzprogramm der Bundesregierung gestellt werden", fügte er hinzu.

Energiewende bleibt zentral

Zentral bleibe "eine erfolgreiche Energiewende mit einem weiterhin starken Ausbau der erneuerbaren Energien, den dafür erforderlichen Speicher- und Netzinfrastrukturen und der Elektrifizierung im Verkehr und Gebäude sowie ein gezielter Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft", sagte Messner.

Insgesamt lagen die deutschen Treibhausgasemissionen 2025 um 48 Prozent unter dem Stand des Referenzjahrs 1990. Bis 2030 ist die Minderung um 65 Prozent erforderlich und bis 2040 um 88 Prozent. Bis 2045 muss nach den Vorgaben des Klimaschutzgesetzes Treibhausgasneutralität erreicht sein.

AFP
wue

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