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TARIFE: Streiks sind denkbar

Dem Norden droht eine harten Metalltarifrunde: Die Lohnvorstellungen der Tarifpartner für die 180.000 Beschäftigten liegen so weit auseinander, wie lange nicht.

Die Tarifrunde für die 180.000 Beschäftigten in der norddeutschen Metallindustrie wird in diesem Frühjahr hart wie lange nicht mehr. Die Tarifparteien sind sehr weit auseinander, was die Höhe der auszuhandelnden Lohn- und Gehaltssteigerungen betrifft. Und damit nicht genug: Die IG Metall Küste und die Arbeitgeber im Nordverbund der Metallindustrie haben zudem noch unterschiedliche Vorstellungen, worüber sie eigentlich verhandeln wollen.

Erwartungen sind hoch

»Die Erwartungen in den Betrieben sind sehr hoch«, sagt der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Frank Teichmüller. In allen Metallbranchen haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren exzellent verdient, sowohl in der Luftfahrt- wie in der Autoindustrie, bei den Werften und im Maschinenbau. Ausnahmen finden sich allenfalls in Ostdeutschland, so der Gewerkschaftschef. Die Lohnsteigerung in diesem Jahr ist mit 2,1 Prozent »deutlich zu gering« ausgefallen und reichte nicht aus, um den Reallohn der Arbeitnehmer zu sichern. Auch neue Arbeitsplätze sind trotz der geringen Zuwächse bei den Arbeitskosten in diesem Jahr nicht entstanden, nur im vergangenen. Die Gewerkschaft will deshalb mit einer saftigen Forderung um die sechs Prozent in die Tarifrunde gehen, die allerdings erst im Januar vom Vorstand der Gewerkschaft beschlossen wird.

Arbeitgeber halten sich bedeckt

Die Arbeitgeber halten sich noch mit offiziellen Äußerungen zurück. »Der Tarifvertrag läuft Ende Februar aus; bis dahin kann sich noch viel ändern«, sagt Günter Willich vom Arbeitgeberverband Nordmetall, einem der Verbände im Nordverbund. Die Arbeitgeber wollen angesichts der schwachen Konjunktur die Beschäftigungssicherung in den Vordergrund stellen; und das heißt in ihren Augen niedrige Lohn- und Gehaltsabschlüsse. »Wir orientieren uns an der Steigerung der Produktivität«, sagt der Leiter der Tarifabteilung von Nordmetall, Peter Schlaffke. Das wären dann so etwa ein bis zwei Prozent, die zu verteilen wären. Doch eine präzise Prozentzahl ist von den Arbeitgebern noch nicht zu bekommen.

Alte Zöpfe sollen fallen

Die IG Metall will die nächste Lohnrunde in den fünf Küstenländern zudem mit den Verhandlungen um ein Entgelt-Rahmen-Abkommen (ERA) verknüpfen, über das bereits seit fast einem Jahrzehnt gesprochen wird. Zwar sind sich beide Seiten einig, dass alte Zöpfe wie die tarifliche Trennung von Arbeitern und Angestellten abgeschafft und mehr leistungsbezogene Bestandteile in die Entlohnung einbezogen werden sollen. Doch der Teufel steckt im Detail und die Materie ist äußerst komplex und schwierig. Deshalb dauern die Verhandlung schon viele Jahre.

Kostenneutrale Reform?

»Wir müssen da jetzt endlich zu einem Ergebnis kommen«, fordert Teichmüller. »Die Verhandlungen gehen voran«, sagt dagegen Schlaffke. »Aber die Knackpunkte sind noch ungelöst.« Dazu zählen vor allem Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer und die von den Arbeitgebern geforderte Kostenneutralität der ERA-Reform. »Das wird nicht gehen«, meint Teichmüller. Schlaffke rechnet damit, dass die ERA- Verhandlungen noch ein Jahr dauern können und will die Thematik auf keinen Fall mit Lohn und Gehalt vermischen.

Die Verhandlungen zwischen den Tarifparteien beginnen im Februar. Die heiße Phase erwarten die Kontrahenten nach Ostern im April. Dann sind auch Streiks in der norddeutschen Metallindustrie durchaus denkbar.