Tarifstreit Briefkästen in Bayern verhungern


Sechs Millionen Sedungen sind laut Dienstleistungsgewerkschaft ver.di aufgrund des Warnstreiks bei der Post liegen geblieben. 900 Beschäftigte legten in Bayern ihre Arbeit nieder.

Zahlreiche Briefkästen in Bayern sind am Freitag wegen Warnstreiks bei der Post leer geblieben. Nach Angaben der Deutschen Post wurden rund 1,5 Millionen Briefe und Postkarten nicht zugestellt, die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sprach von etwa sechs Millionen liegen gebliebenen Sendungen. ver.di wollte mit den Aktionen kurz vor Beginn der dritten Tarifrunde für die bundesweit rund 230 000 Post-Beschäftigten an diesem Dienstag und Mittwoch in Münster den Druck auf die Deutsche Post erhöhen.

Der Gewerkschaft zufolge legten rund 900 Beschäftigte die Arbeit in den Briefzentren im Freistaat nieder. ver.di fordert eine Einkommenserhöhung für alle Postmitarbeiter um vier Prozent und eine Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten.

Erstmal keine weiteren Aktionen geplant

Bis zum Beginn der dritten Verhandlungsrunde seien keine weiteren Aktionen geplant, sagte ein Gewerkschaftssprecher. "Die Post hat jetzt die Chance, die Warnstreiks auf sich wirken zu lassen und ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen." Sollte dies nicht der Fall sein, bereite sich die Gewerkschaft auf Urabstimmungen für einen Streik vor. Ein Post-Sprecher kritisierte die Aktionen. "Es ist verbindlich zugesagt, dass die Verhandlungen am 1. und 2. Juni fortgesetzt werden, insofern ist es ein bisschen unverständlich, dass ver.di jetzt diese Streikmaßnahmen durchführt."

Mit Transparenten und Trillerpfeifen versammelten sich am frühen Morgen hunderte Beschäftigte der Post vor den Briefzentren in den großen Städten Bayerns und unterstrichen ihre Lohnforderung. "Der Post geht es hervorragend. Auch die Beschäftigten haben ein Recht, daran Teil zu haben", sagte der ver.di-Sprecher. "Ein Unternehmen, das seinen Aktionären 2004 eine Dividendenerhöhung um zehn Prozent geben kann, gleichzeitig aber nichts für seine Mitarbeiter übrig hat, muss sich über Warnstreiks nicht wundern."

Von dem Warnstreik seien fast alle Haushalte in Bayern betroffen gewesen. Die Postboten hätten nur die Sendungen zugestellt, die bereits am Vorabend oder in der Nacht sortiert worden seien, hieß es. Die liegen gebliebenen Briefe und Postkarten würden mit einem Tag Verspätung bei den Empfängern eintreffen, erklärten ver.di und die Deutsche Post übereinstimmend.

DPA DPA

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