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Tarifstreit: Lokführer geben Mehdorn letzte Chance

Im Bahn-Tarifstreit haben sich die Lokführer widerwillig bereit erklärt, mit dem Vorstand über dessen Verhandlungsangebot zu sprechen. GDL-Chef Manfred Schell bezeichnete die Offerte als "Mogelpackung" - bis Montag soll es jedoch keine Streiks geben.

Im Tarifstreit bei der Bahn haben sich die Lokführer zunächst bereit erklärt, mit dem Bahnvorstand über dessen Verhandlungsangebot zu sprechen. Manfred Schell, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), bezeichnete das Angebot der Bahn am Montag in Berlin als "Mogelpackung". Kritisiert wird von Schell inbesondere die Weigerung der Bahn, mit den Lokführern einen eigenen Tarifvertrag abzuschließen.

Schell kündigte an, trotzdem mit der Bahn in Gespräche zu treten. Bei zunächst nur einem Treffen am kommenden Montag soll die Frage des eigenständigen Tarifvertrags geklärt werden. "Sollte der Vorstand wider Erwarten den eigenen Tarifvertrag in Abrede stellen, sind die Verhandlungen gescheitert", sagte Schell.

Dann sei ein Arbeitskampf unausweichlich. Bis Montag soll es nach Angaben der GDL jedoch zu keinen Arbeitsniederlegungen kommen.

Bahn begrüsst Gespräche

Die Bahn begrüsste die Bereitschaft der Lokführergewerkschaft, wieder in Gespräche einzutreten. Das Unternehmen hoffe jetzt auf einen Kompromiss mit der Gewerkschaft, sagte Bahn-Vorstand Margret Suckale. Sie bestätigte den Verhandlungstermin 3. Dezember.

Die Bahn knüpft einen eigenen GDL-Tarifvertrag bisher an die Bedingung, dass sich die Vereinbarung widerspruchslos in das Gesamt-Tarifwerk des Konzerns einfügt.

Die Einkommenserhöhung von acht Prozent, die die Bahn den Lokführern anbietet, setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen. Grundlage ist die lineare Tariferhöhung von 4,5 Prozent, die die Konkurrenz-Gewerkschaften Transnet und GDBA bereits ausgehandelt hatten. Dazu kommt ein weiteres Prozent Gehaltssteigerung, das in die Entgeltstruktur fließen soll. Mit weiteren 2,5 Prozent sollen Zulagen oder die Höherstufung in andere Tarifgruppen finanziert werden, um die Lokführer stärker für ihre unregelmäßigen Arbeitszeiten zu entschädigen. Die Kosten für den bisherigen Tarifabschluss von 4,5 Prozent hatte die Bahn mit 250 Millionen Euro pro Jahr beziffert. Das neue Angebot erhöht das Volumen nach Unternehmensangaben um mindestens 100 Millionen Euro.

Die Bahn habe sich mit ihrem Angebot vom Moderatorenergebnis verabschiedet, kritisierte die Gewerkschaft. Darin sei vereinbart worden, mit der GDL einen eigenständigen Tarifvertrag abzuschließen, der Entgelt und Arbeitszeitregelungen umfasst. Das Angebot enthalte «zwar pro forma den Begriff eigenständiger Tarifvertrag», sagte Schell. Dieser solle jedoch nur bei zeitgleicher Absicherung der Tarifeinheit der DB AG abgeschlossen werden.

stern.de/Reuters / Reuters