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Telekom: 96 Prozent stimmen für Streik

Bei der Telekom wird gestreikt. Fast alle tarifgebundenen Mitarbeiter des Konzerns haben sich für den Arbeitskampf ausgesprochen. Als Hauptziel haben sich die Streikenden offenbar eine prominente Veranstaltung ausgeguckt.

Im Streit um die geplante Auslagerung von 50.000 Jobs bei der Telekom setzen die Mitarbeiter auf Streik: 96,5 Prozent der befragten Gewerkschaftsmitglieder haben sich in einer Urabstimmung für den Arbeitskampf ausgesprochen. Das teilte Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder am Donnerstag in Bonn mit und sprach von einem sehr deutlichen Ergebnis. Der erste Streik bei der Deutschen Telekom wegen des geplanten massiven Stellenumbaus beginnt an diesem Freitag. Die Wahlbeteiligung lag bei 93 Prozent. An der Abstimmung beteiligten sich über 22.000 Verdi-Mitglieder.

Bei dem Streit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geht es um die Pläne des Telekom-Vorstandes, rund 50.000 Beschäftigte im Service und den Callcentern der Festnetzsparte T-Com zum 1. Juli in Subunternehmen auszulagern. Bei diesen T-Service-Firmen sollen sie neun Prozent weniger als bisher verdienen und 38 statt 34 Stunden pro Woche arbeiten. Der Konzern begründet den Schritt zum 1. Juli mit der Wettbewerbsfähigkeit. Bei den Konkurrenten seien die Servicekosten deutlich niedriger. Die Kunden der Telekom müssen sich wegen des Streiks auf Einschränkungen einstellen. "Man wird es deutlich spüren", sagte Schröder im ZDF-Morgenmagazin.

Als Hauptziel hat sich die Gewerkschaft Verdi offenbar den G8-Gipfel in Heiligendamm im Juni ausgeguckt. So könnten Call-Center nicht erreichbar sein und es könnte zu Behinderungen bei Wartungen und Reparaturen kommen.

Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm hatte schon erklärt, dass auch der G8-Gipfel Anfang Juni von den Streiks betroffen sein kann. In Regelarbeit würden zwei Niederlassungen die Telekommunikationsinfrastruktur für den Gipfel aufbauen, "und wenn (...) die beiden Niederlassungen sich im Streik befinden, dann kann natürlich diese normale Regelarbeit auch nicht stattfinden".

Verlust von zwei Millionen Kunden

Nach Angaben von Konzern-Chef Rene Obermann steht die Telekom im Festnetzgeschäft weiterhin unter einem hohen Reformdruck. "In diesem Land herrscht ein gnadenloser Preiskampf", sagte er zur Entwicklung der Geschäfte in den ersten drei Monaten 2007. So verringerte sich das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um knapp 6 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Der Konzernüberschuss halbierte sich sogar auf.0,5 Milliarden Euro.

Bei den traditionellen Festnetzanschlüssen erlitt die Telekom erneut einen herben Rückschlag: Das Unternehmen verlor über 588.000 Anschlüsse an die Konkurrenz. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 2 Millionen Kunden der Telekom den Rücken gekehrt. Im Gegenzug gewann die Telekom im ersten Quartal aber 572.000 neue DSL-Kunden. Beim Umsatz erwirtschaftet der Konzern ein Plus von 4,1 Prozent auf 15,4 Milliarden.

DPA/stern.de / DPA