Telekom-Einstieg Hoffen auf die Heuschrecke


Ein milliardenschwerer US-Investor, der sich über einen großen Aktienbatzen Einfluss auf die Telekom verschafft, sollte eigentlich keinen Jubel auslösen. Anders beim jüngsten Blackstone-Deal: Anleger hoffen auf einen Höhenflug der Aktie.

In die Aktionärsstruktur der Deutschen Telekom kommt Bewegung: Mit der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Blackstone erhält erstmals ein ausländischer Investor Einfluss auf Europas größten Telekomkonzern. Blackstone hatte am Morgen bekannt gegeben, für 2,7 Milliarden Euro bei der Deutschen Telekom einzusteigen. Der Finanzinvestor übernimmt knapp 192 Millionen Telekom-Aktien von der staatlichen Förderbank KfW, die die Beteiligung im Auftrag des Bundes privatisiert. Somit ist Blackstone, aus der Heuschrecken-Debatte des Vorjahres ein Begriff, nach der KfW und dem Bund der drittgrößte Anteilseigner. Damit steigt der Druck auf den Vorstand, dem Kurs der T-Aktie endlich auf die Sprünge zu helfen.

Bisher kaum klare Vorgaben

Seit Ende 2003 dümpelt der Kurs des DAX-Schwergewichts um die 14- Euro-Marke. Daran konnte auch der Milliardengewinn für 2005 und die Wiederaufnahme der Dividenden-Zahlung nichts ändern. Anleger vermissen von Vorstandschef Kai-Uwe Ricke eine klare Vorgabe, wohin der Konzern steuert. "Die Telekom muss sich nun klar positionieren", sagt der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz.

Die Strategie von Ricke sei in der Außenwahrnehmung nur "schwer erkennbar". Größte Baustelle im Konzern ist die Festnetzsparte T-Com, die seit Jahren mit einem Umsatz- und Kundenrückgang zu kämpfen hat. Allerdings kämpft in diesen Zeiten nicht nur die Telekom um eine Rehabilitierung an den Kapitalmärkten. Telekommunikationswerte sind derzeit nicht sonderlich gefragt. Dies gilt für France Télécom genauso wie für Telecom Italia oder Telefónica. Auch Vodafone ist unter die Räder gekommen und hadert mit den Anlegern.

Einfluss auf den Konzern ist sicher

Frischer Wind tut der Telekom deshalb gut: Gemäß der Vereinbarung mit der Bundesregierung kann Blackstone einen Vertreter in den Aufsichtsrat des Bonner Riesen entsenden. Über ihn werde der Investor Einfluss auf die Konzernführung ausüben können, hieß es im Umfeld der Beteiligungsfirma. Dies könne auch im Interesse von Vorstandschef Ricke sein: etwa beim geplanten Stellenabbau bei T-Com, sagt Per-Ola Helgren von Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Von einem Privatinvestor erhalte Ricke damit mehr Unterstützung als von der Bundesregierung.

Dass Blackstone aktiv auf die Firmenpolitik einwirken will, zeigt sich an den Äußerungen von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), der sich davon positive Impulse für die T-Aktie verspricht. "Wir haben nach wie vor das Ziel einer nachhaltigen, längerfristigen Wertsteigerung des Unternehmens", betonte Steinbrück. Blackstone zahlte entgegen der üblichen Praxis einen Aufschlag auf den Schlusskurs des Vortages und untermauerte damit seine Absicht, langfristig bei der Telekom investieren zu wollen. Dafür spricht auch die Haltefrist von zwei Jahren.

Hoffen auf die Wertsteigerung

Unterdessen hält sich der US-Investor bedeckt über seine künftige Rolle als Telekom-Aktionär. Über genügend Innenansicht dürfte Blackstone verfügen: Mit Ron Sommer sitzt der frühere Telekom-Chef im europäischen Beirat von Blackstone. Sommer hatte seinen Posten wegen der schwachen Kursentwicklung auf Druck der Bundesregierung aufgeben müssen. Bei den Experten stieß der Einstieg des neuen Großaktionärs auf durchweg positiven Widerhall: Dies sei ein klarer Vertrauensbeweis in die wirtschaftliche Kraft des Konzerns, meint James Golob von Goldman Sachs.

Auch die DSW äußerte sich erfreut über die Transaktion: "Blackstone hat klar das Ziel, den Aktienkurs nach oben zu bringen. Davon profitieren alle Aktionäre", sagt Sprecher Kurz. Am Montag durften sich die T-Aktionäre bereits über einen Kursaufschlag von knapp fünf Prozent freuen. Einen vergleichbaren Kursanstieg schaffte die T-Aktie noch nicht einmal bei der Wiederaufnahme der Dividenden- Ausschüttung.

DPA/Reuters DPA Reuters

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