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TELEKOMMUNIKATION: Telekom will keine Dividende zahlen

Die hoch verschuldete Deutsche Telekom will bei der Konsolidierung des Konzerns vor harten Einschnitten nicht zurückschrecken: die Aktionäre sollen durch die Finger sehen.

Zum Leidwesen von drei Millionen Kleinanlegern und dem Bund soll die Dividende für das Jahr 2002 gestrichen werden. Die eingesparten etwa 1,5 Milliarden Euro sollen in den Schuldenabbau gesteckt werden, hieß es aus Kreisen des Aufsichtsrates. Der Verlust für die Staatskasse könnte sich auf mehrere hundert Millionen Euro belaufen. Der Bund hält 43 Prozent der Telekom-Aktien.

Weiter Demos gegen Stellenabbau

Am heutigen Mittwoch wollen in Bonn mehrere tausend Telekom-Mitarbeiter gegen den geplanten Stellenabbau protestieren. Bis Ende 2005 stehen beim »Rosa Riesen« weltweit rund 55.000 Jobs auf der Streichliste. Ebenfalls tagt das Präsidium des Aufsichtsrats, um die entscheidende Sitzung des Kontrollgremiums am Donnerstag vorzubereiten.

Nachfolgefrage vor Lösung

Dann soll der Nachfolger des im Juli wegen des dramatischen Kursverfalls der T-Aktie zurückgetretenen Ron Sommer gewählt werden. Als Favorit gilt der jetzige T-Mobil-Chef Kai-Uwe Ricke (41). Zudem legt die Telekom am gleichen Tag ihre Neun-Monats-Bilanz vor. Diese weist voraussichtlich einen Rekordverlust von bis zu 28 Milliarden Euro aus.

»Keine angenehme Situation«

Das Bundesfinanzministeriums reagierte zurückhaltend auf den möglichen Ausfall der Dividende. »Das ist für uns sicherlich keine angenehme Situation«, sagte ein Sprecher. Dies führe aber nicht zu neuen Haushaltslöchern, da die Dividende als feste Größe nicht eingeplant gewesen sei. Die Telekom kommentierte die geplante Streichung nicht.

Aufsichtsrat muss noch zustimmen

Der Vorschlag muss noch vom Aufsichtsrat gebilligt werden. Die endgültige Entscheidung fällt auf der nächsten Hauptversammlung im Mai 2003. Im vergangenen Jahr hatte die Telekom eine Dividende von 0,37 Euro gezahlt. Dem Bund, der rund 1,8 Milliarden T-Aktien hält, waren etwa 660 Millionen Euro überwiesen worden.