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"Dreistelliger Millionenverlust": Tengelmann-Chef bemängelt Abwicklungskosten

Die Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann durch Edeka war eine schwere Geburt. Die Unternehmensgruppe Tengelmann hat bei dem Prozedere laut ihrem Konzernchef einen erheblichen finanziellen Schaden davongetragen.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub reibt sich die Hände

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub hatte vor zwei Jahren den Verkauf der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann beschlossen.

Die Verzögerung der Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch den Einzelhandelskonzern Edeka hat in der Unternehmensgruppe Tengelmann laut Konzernchef Karl-Erivan Haub große Kosten verursacht.

Haub erklärte der "Süddeutschen Zeitung" am Freitag: "Die zweijährige Hängepartie hat dem Unternehmen einen Millionenverlust in dreistelliger Höhe beschert."

Eine Alternative dazu habe es trotzdem nicht gegeben. "Ein Einzelverkauf wäre die reinste Rosinenpickerei geworden. Deswegen waren 8000 Arbeitsplätze in Gefahr. Die Abwicklungskosten wären sehr hoch gewesen, noch höher als der Verkauf es jetzt gewesen ist."

Kartellamt äußert Kritik an Übernahme durch Edeka

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, kritisierte den Verkauf von Kaiser's Tengelmann an den Branchenführer Edeka, der Dutzende Filialen an Rewe weiterreicht.

"Nicht nur die für die Verbraucher, auch für die Nachfrageseite, also die Beziehung der Händler zu den Herstellern und Lieferanten, bringt der Vorgang Verschlechterungen", sagte Mundt der Zeitung. "Wir müssen auch in Zukunft dafür sorgen, dass Handelskonzerne keine unbotmäßigen Forderungen gegenüber den Herstellern durchsetzen können. Wir werden die großen Händler also weiter im Blick haben."

Tengelmann beschloss Kaiser's-Verkauf bereits 2014

Haub hatte vor zwei Jahren beschlossen, die tiefrote Zahlen schreibende Supermarktkette an Edeka zu verkaufen. Der Plan stieß jedoch bei Wettbewerbshütern auf heftigen Widerstand.

Im April 2015 untersagte das Bundeskartellamt den Zusammenschluss. Zwar gelang es Tengelmann und Edeka nach monatelangem Ringen, das Veto der Wettbewerbshüter durch eine Ministererlaubnis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auszuhebeln.

Doch wurde die Ausnahmegenehmigung auf Antrag von Rewe sowie der Wettbewerber Markant und Norma gerichtlich gestoppt. Erst unter Vermittlung von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) gelang es den Konzernen schließlich, einen Kompromiss zu erzielen.

mrk / DPA